Die Forderung nach einer Resolution gegen das AKW Krško erschien in der Statt-Zeitung 2/1992.

Die Forderung nach einer Resolution gegen das AKW Krsko erschien in der Statt-Zeitung 2/1992.

1992 forderten die Villacher Grünen im Namen der Initiative „Alpen-Adria frei von Atomanlagen“ eine Resolution des Gemeinderates an die Kärntner Landesregierung. Ziel war die Schließung des Atomkraftwerks Krško.


6 Jahre sind seit der Tschernobyl-Katastrophe, seit dem bisher größten Unfall in der Geschichte der „friedlichen“ Atomenergienutzung vergangen. Auch wir hier in Villach wurden mit dem radioaktiven Niederschlag belastet, obwohl Tschernobyl ca. 1300 km entfernt liegt. Krsko in Slowenien liegt nur 70 km entfernt. Niemand kann sagen, welche Folgen ein Unfall in der Größenordnung etwa von Tschernobyl für Kärnten nach sich ziehen würde. Es könnte sogar eine Evakuierung von Teilen Kärntens, auch Villachs notwendig werden. Dieses Risiko dürfen wir nicht auf uns nehmen! Krsko liegt in einem erdbebengefährdeten Gebiet, das haben slowenische Geologen eindeutig festgestellt.

Schon öfters kam es in Krsko zu Zwischenfällen, mehrmals schon mußte der Reaktor abgestellt werden. Die Verantwortlichen Sloweniens wollen die für 1995 angekündigte Schließung von Krsko weiter hinauszögern. So sprach die Botschafterin Sloweniens in Wien von einem Termin nach 2000. Deshalb wurde die INITIATIVE ALPEN-ADRIA-FREI VON ATOMANLAGEN stärker aktiv. Sie erreichte bereits in mehreren Orten Gemeinderatsbeschlüsse für eine sofortige Schließung von Krsko. In Villach haben die Villacher Grünen (VIG) im Namen der genannten Initiative der Atomkraftwerksgegner einen Antrag für eine Resolution eingebracht, die den Druck auf die bisher recht untätige Landes- und Bundesregierung verstärken soll.

Gemäß dieser Resolution fordert die Stadt die Kärntner Landesregierung auf,

  1. mit der Bundesregierung auf die rasche Erstellung eines kurzfristigen Schließungskonzeptes zu drängen
  2. mit der Bundesregierung und dem Land Steiermark ernsthafte finanzielle Unterstützungsangebote an Slowenien und Kroatien für den Fall einer sofortigen Schließung von Krsko zu machen (Übernahme von drei Sechstel der Stromersatzkosten bis Ende 1995 zu gleichen Teilen durch Bund, Land Kärnten und Steiermark)
  3. die Initiative „Alpen-Adria – frei von Atomanlagen“ finanziell zu unterstützen (etwa 200.000 Schilling jährlich wie die „Salzburger Plattform gegen Atomgefahren“ durch das Land Salzburg)
  4. Den Kärntner Strahlenalarmplan zu veröffentlichen.

SPÖ-ÖVP-FPÖ für Alibi-Erklärung gegen AKW Krsko?

Diese konkrete Aufforderung an das Land Kärnten wollen die anderen Parteien aufgrund fadenscheiniger Argumente nicht beschließen. Sie wollen diesen Antrag in eine ganz allgemein gehaltene Erklärung gegen Krsko umwandeln. Wir verlangen, daß die Resolution nicht verwässert, sondern vollinhaltlich angenommen wird!


324-villach-resolution-akw-krsko-folgenAuf der hier abgedruckten Karte haben wir die Verhältnisse um den Unfallsreaktor von Tschernobyl auf Krsko übertragen. Die Karte zeigt die großflächige Verstrahlung nach einem Unfall in Krsko unter der Annahme, daß der radioaktive Niederschlag gleich stark wie bei Tschernobyl ist und daß sich die Wettersituation gleicht. Die schraffierten Flächen kennzeichnen die Zone I um Tschernobyl (Verstrahlung von 1-15 Curie/ km2). Auch hier wurden bei Ganzkörpermessungen an Menschen erhöhte Werte festgestellt. Die höher verstrahlten Zonen (Zone II = 15-40 Curie/ km2 und Zone III über 40 Curie/km2) um Tschernobyl umfassen ein Gebiet von über 10.000 km2.

Ein engerer 30 km-Kreis um Tschernobyl wurde vollkommen gesperrt. Ca. 200.000 Personen wurden bereits ausgesiedelt. Einige ausgesiedelte — vor allem ältere Menschen — konnten sich mit der „Vertreibung“ aus ihrer Heimat nicht abfinden und sind trotz mangelnder Versorgungsmöglichkeiten in die hoch radioaktiv verseuchten Gebiete zurückgekehrt. Weitere Aussiedlungen sind notwendig. Als Kriterium für die Aussiedlung galt das 35-rem-Konzept. Diejenigen Menschen wurden ausgesiedelt, für die man befürchten mußte, daß sie eine Strahlendosis von 35 rem abbekommen. Nach der Meinung von Experten bewirkt bereits eine Strahlendosis von 35 rem eine Erhöhung der tödlich verlaufenden Krebserkrankungen um 10 % (bei Leukämie ist der Prozentsatz deutlich höher). 200 Personen bekamen eine Dosis ab, die zu akuter Strahlenkrankheit führte. Viele von ihnen sind schon gestorben. Wieviele zusätzliche Krebstote der Unfall von Tschernobyl noch verursachen wird, können auch Fachleute nur schwer abschätzen. (Alle Angaben aus „atomwirtschaft“ 3/91).

Herwig Burian