366 x grün

Weblog des Grünen Archivs zur Geschichte der Grünen und Alternativen in Österreich

Schlagwort: Wien (Seite 1 von 12)

Neuerwerbung 1/2017: Alternative Lebensformen in Österreich

A ...wie alternativ. Alternative Lebensformen in Österreich (1981)

A …wie alternativ. Alternative Lebensformen in Österreich (1981)

1981 gab der damalige „Presse“-Redakteur Andreas Unterberger das Buch „A …wie alternativ. Alternative Lebensformen in Österreich“ über die im Entstehen befindliche Alternativbewegung in Österreich und in Südtirol heraus. Das Grüne Archiv hat den Band soeben angekauft. Aus dem Vorwort des Herausgebers:

// Ist die österreichische Alternativbewegung eine Alternative? Ist Grün die Farbe der Zukunft? 14 Autoren versuchen eine Antwort zu geben. Sie beschreiben demonstrativ herausgegriffene und bewußt weitgestreute Alternativprojekte in 16 verschiedenen Bereichen, von der Frauenbewegung bis zur Nachbarschaftshilfe, von der Kirche bis zu den Wohngemeinschaften, von den Schulen bis zur Landwirtschaft, von der Medizin bis zur Meditation, von „weichen“ asketischen Ansätzen bis zu „harten“ Hausbesetzern. //

Inhaltsverzeichnis

  • Lukas Lessing / Andreas Unterberger: Eine neue Sprache: Alternativ-Glossar. Von Frust, Grönland und Zweierbeziehungen
  • Hans Haider: Kultur als Alternative – Alternative als Kultur. Von autoritären Alternativ-Intendanten, verarmten Künstlern und dem freien Wort
  • Lukas Lessing: Die vielen Bühnen der Wiener Szene. Von Büchern, Beisln und Kulturzentren
  • Elisabeth Baumgartner: Noch nie ist ein Haus in Bozen so geliebt worden. Von Südtirolern, Italienern und einem Volkstumskampf
  • Gerfried Sperl: Seit die Steirer zu alternativen Pionieren geworden sind. Von Grazer Studenten, nationalen Bürgern und einem neuen Heimatbewußtsein
  • Andreas Unterberger: Politischer Mummenschanz mit dem grünen Mäntelchen. Von Wahlkämpfern, Steinewerfern und Gartenzwerg-Freunden
  • Johannes Hawlik: Bürger, die der Lethargie den Kampf angesagt haben. Von Radfahrern, Aktionen für Spielplätze und gegen Autostraßen
  • Markus Kauffmann: Da habe ich gesehen, dass ich nicht alleine bin. Von Anonymen Alkoholikern, tanzenden Rollstuhlmädchen und Gruppen, die sich selber helfen
  • Marianne Enigl: Frauen im Kampf um ihre eigene Identität. Von Sehnsüchten, Kindern und – Männern
  • Andreas Unterberger: Wir machen uns unsere Schule selbst. Vom Lernen ohne Strafen, Prüfungen und Bürokratie
  • Lukas Lessing: Aus der Gemeinschaftsnot in die Wohngemeinschaft. Von Kommunen, Küchendienst und Gruppendunst
  • Michael Vogler: Das Heil im eigenen Ich. Von Scharlatanen, östlicher Meditation und westlicher Selbsterfahrung
  • Wolfgang Exel: Gesundheit auf kaum erklärbaren Wegen. Von Nadeln, Kräutern und dem Wasser
  • Herbert Grün: Weil die Kühe nicht mehr konnten. Von Schneckensud, Schafen und dem Kampf gegen die Vergifter
  • Kurt Ceipek: Bei uns kommt die Energie aus dem Misthaufen. Von der Sonne, Schweinemästern und dem Schnaps im Tank
  • Alexa Gaspari / Christof Gaspari: Der stille Aufbruch in der Kirche. Von Klöstern, Wüstentagen und neuen Gemeinschaften
  • Werner Ertel: Wo die Dritte Welt an erster Stelle kommt. Von Selbstbesteuerern, Strukturen-Bewußtmachern und Kaffee aus Guatemala
  • Andreas Unterberger: Eine Hoffnung aus den Widersprüchen. Von Angst, Egoismus und einem neuen Bewußtsein

364/366: Grünes Dienstauto für den Rathausmann

Grüner Beton und grünes Dienstauto.

Grüner Beton und grünes Dienstauto.

Grüner Beton und grünes Dienstauto – wem das nicht genügt, wählt die Grüne Alternative. Ein Plakat aus Wien.

362/366: Für ein rot-grünes Wien (1983)

Für ein rot-grünes Wien (Grünes Archiv, Sammlung Peter Grusch)

Für ein rot-grünes Wien (Grünes Archiv, Sammlung Piet Grusch)

Schon 1983 setzte sich die Sozialistische Jugend für ein rot-grünes Wien ein, wie dieses Plakat aus der Sammlung Piet Grusch zeigt. Auf dem Programm der Veranstaltung am 16. April 1983 standen eine Diskussion mit Michael Häupl, Werner Faymann und Walter Stöckl (veranstaltet von der Jungen Generation und der Sozialistischen Jugend), Sologitarrenmusik von Ingrid Antoni Polaczek, ein Rockkabarett der Gebrüder Grimmig und das politische Kabarett „Humor gegen Hakenkreuz“.

Ob es sich um die Forderung nach einer Koalition oder einfach nach der Umsetzung grüner Ideen handelt, ist ungewiss – fand doch erst am 24. April 1983 jene Gemeinderatswahl statt, bei der die Alternative Liste erstmals in zehn Bezirksvertretungen einzog. Der Einzug in den Gemeinderat wurde allerdings mit 2,50 Prozent verfehlt.

361/366: Im Garten von Frau Slama hat die Wende begonnen

Die „Meilensteine des Widerstandes“ gegen die B3 fasst dieses Flugblatt des grünen Rathausklubs in Wien zusammen – die erwähnte Frau (Maria) Slama war eine engagierte Kleingärtnerin.


B3 vorbei? Flugblatt der Floridsdorfer Grünen (Grünes Archiv, Archiv Gerhard Jordan)

B3 vorbei? Flugblatt des grünen Rathausklubs (Grünes Archiv, Archiv Gerhard Jordan)

23. Februar 1973: Der Wiener Gemeinderat beschließt den Flächenwidmungsplan Nr. 5212, der eine neue Trasse der B3 zwischen Brünnerstraße und Donaufelderstraße, quer durch eine Kleingartenanlage, enthält.

Ab 1983: Der erste Widerstand von Bürgerinnen – zunächst getragen vom Kleingartenverein Donaufeld und der Hausgemeinschaft der neuen Wohnanlage Töllergasse 42 – beginnt mit Briefwechseln und Vorsprachen bei Politikern.

1987: In der Donaustadt, nahe der Bezirksgrenze zu Floridsdorf, entsteht die „Siedlergemeinschaft gegen die B3″.

13. April 1989: Das Wirtschaftsministerium verordnet laut §4 Bundesstraßengesetz den neuen Verlauf der B3.

19. JULI 1989: Erster öffentlicher „Lokalaugenschein“ von B3-Gegnerinnen (weitere finden u.a.1991,1992 und 1996 statt). 1989/91: Anträge von Grün – Bezirksrat Gerhard Jordan in der Floridsdorfer Bezirksvertretung auf Verkehrsberuhigung des Bezirkszentrums ohne Bau neuer Straßen, auf Einführung eines Durchfahrverbots für LKW mit über 3,5 Tonnen Gewicht in den Straßenzügen Hermann-Bahr-Straße, Angererstraße und Patrizi-gasse sowie auf ein Überdenken der B3 wegen der geplanten Stadterweiterung im Donaufeld werden von SPÖ, ÖVP und FPÖ abgelehnt.

30. November 1992: Eröffnung des vierspurigen B3 – Teilstücks zwischen Brünnerstraße und Leopoldauerstraße. Am Rande demonstrieren Bürgerinnern gegen den Weiterbau.

B3 - Meilensteine des Widerstandes.

B3 – Meilensteine des Widerstandes.

26. Februar 1993: Im „Bürgerforum Floridsdorf / Donaustadt STOPPT DIE B3!“ schließen sich der Kleingartenverein Donaufeld, die Hausgemeinschaft Töllergasse 42, der Siedlerverein „Edelsteinsiedlung“ (alle 21. Bezirk) und die Siedlergemeinschaft gegen die B3 (22. Bezirk) zusammen. Später kommen dazu: die Wohnanlage Satzingerweg 49 (bezogen 1995) und Carminweg 6 (bezogen 1997) im 21. und die „Vienna International School“ im 22. Bezirk.

1. Juli 1993: Demonstration gegen die B3 von der U1-Endstelle Kargan zum Donaustädter Amtshaus (Kundgebungen bzw. Feste finden auch am 24. September 1993 im Gasthaus Paireder, am 15. April 1994 beim Rathaus und am 2. Oktober 1996 auf dem Franz-Jonas-Platz statt). Lesen Sie weiter

359/366: Weihnachtsmette in der Stopfenreuther Au

Weihnachtsmette in der Stopfenreuther Au.

Einladung zur Weihnachtsmette in der Stopfenreuther Au.

Der Dezember 1984 in Hainburg war ein wichtiges Datum für die Umwelt- und Grünbewegung.

Anfang Dezember 1984 erteilte Landwirtschaftsminister Günther Haiden, der schon ein Jahr zuvor Hainburg zum „bevorzugten Wasserbau“ erklärt hatte, die Rodungsbewilligung. Am 8. Dezember zogen rund 8.000 Menschen in Form eines Sternmarsches mit anschließender Kundgebung in die Au, und die ersten BesetzerInnen richteten sich ein. In den folgenden Tagen stieg deren Zahl auf einige tausend. Zeltlager wurden errichtet, Barrikaden aus Baumstämmen gebaut.

Rodungsversuche, begleitet von der Gendarmerie, fanden am 10., 11. und 17. Dezember statt. Unterbrochen wurden diese Versuche von ergebnislosen Verhandlungen zwischen dem Komitee des Konrad-Lorenz-Volksbegehrens und der unter dem Druck von DOKW und ÖGB stehenden Bundesregierung. Am Morgen des 19. Dezember wurden bei einem brutalen Polizeieinsatz in der Au über 100 AuschützerInnen verletzt. Am selben Nachmittag demonstrierten in Wien rund 40.000 Menschen gegen das Vorgehen der Regierung und gegen den Kraftwerksbau. Am 22. Dezember verkündete Bundeskanzler Fred Sinowatz unter dem Druck der öffentlichen Meinung und einiger einflussreicher Medien einen „Weihnachtsfrieden“. Tausende Menschen verbrachten die folgenden Feiertage in der Au.

Weihnachtsmette in der Stopfenreuther Au

„Wir wollen ein Zeichen setzen, ein Licht der Hoffnung anzünden, für alle Österreicher, von Vorarlberg bis Stopfenreuth“.

Am 24. Dezember wurde zur Weihnachtsmette in die Stopfenreuther Au geladen.

Eine genauere Chronik gibt es auf www.30-jahre-hainburg.at/Aubesetzung.

356/366: Wenn Grüne eine Baustelle besichtigen

Als zwei grüne Gemeinderät_innen aus Wien die Baustelle der Staustufe Freudenau, eines Donaukraftwerks, besichtigen wollten, stießen sie auf unerwartete Hindernisse… Ein Bericht aus der Zeitschrift „Impuls grün“.


Begleitete Exkursion auf eine Baustelle.

Begleitete Exkursion auf eine Baustelle.

Äußerst fürsorglich von Weißen Mäusen bewacht begann eine Exkursion, welche die beiden GA-Gemeinderäte [Hannelore] Weber und [Günter] Kenesei gemeinsam mit Wissenschaftlern zur Baustelle der Staustufe Freudenau führte. Ziel des Ausflugs sollte das Aufzeigen der Bedrohung diverser Tier- und Pflanzenarten durch den Kraftwerksbau sein. Das an sich noch öffentliche Gebiet war jedoch bereits mit Bauzaun und Männern der Wach- und Schließgesellschaft abgesichert worden, die der Gruppe das Betreten des Geländes verweigerten. Auch die Fähre zur Donauinsel erwies sich plötzlich als „eingestellt.“ Selbst dem Klubjuristen der Grünen wurde der Zutritt gewaltsam verwehrt.

Diese vorsorglichen Maßnahmen der „Donaukraft„, die anscheinend ein zweites Hainburg verhindern will, wurden von den anwesenden Journalisten mit Verwunderung verfolgt. Zur begleitenden Aktion der Polizei meinte Präsident Bögl sichtlich verärgert: „Ich habe das nicht angeordnet, ich bin fuchsteufelswild!“

353/366: Das Freda-Straßen-Fest. Bundespräsidentschaftswahl 1986

Heute zeigen wir ein Fundstück aus dem Bundespräsidentschaftswahlkampf 1986, als Freda Meissner-Blau kandidierte – eine Einladung zu den Veranstaltungen zum Abschluss des Wahlkampfes verbunden mit einem Spendenaufruf.

Einladung zum Freda-Straßen-Fest.

Einladung zum Freda-Straßen-Fest.


Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Aktivistinnen und Aktivisten, liebe „Selbstbesteuerer“, Spenderinnen und Spender, liebes Personenkomitee!

Die Wahlbewegung neigt sich dem Ende zu, die Hauptarbeit ist getan. Ihr alle werdet maßgeblichen Anteil daran haben, wenn Freda – trotz aller Querschüsse – am 4. Mai einen schönen Erfolg erzielt.

Wir laden Euch herzlich zu unseren letzten Veranstaltungen ein:

Donnerstag, 1. Mai 1986, ab 16.00 Uhr -„Freda-Straßen-Fest“
Ein Nachmittag voll lustiger Aktionen, Kultur und Information mit Peter Turrini, Marie Therese Escribano, Erika Molny u.a.m. Lesungen, Kabarett, Clownerien, Straßenmusik und Graffiti für Kinder und Erwachsene

Freitag, 2. Mai 1986, 11.00 Uhr – „Ausflug in den Wienerwald“
Freda und viele Freundinnen und Freunde, die mit Sonderzügen aus allen Bundesländern anreisen, machen einen Spaziergang mit anschliessendem Heurigenbesuch.
Treffpunkt: 11.00 Uhr bei der Endstation der Linie 60, Rodaun.
15.00 – 18.00 Uhr Bio-Heuriger Ernst Mohrenberger, Perchtoldsdorf, Elisabethstraße 1

Sonntag, 4. Mai 1986, ab 10.00 Uhr Open House in unserem Büro  in Wien I, Schottengasse 3a, Stiege 5, Tür 19.

Bitte um Spenden für die Bundespräsidentschaftwahl.

Bitte um Spenden für die Bundespräsidentschaftwahl.

Das Büroteam und Freda Meissner-Blau hoffen auf Euer Kommen !

Eine Bitte haben wir noch: Der Spendenfluß hat in den letzten Wochen spürbar nachgelassen. Wir brauchen ziemlich dringend Geld, um die offenen Rechnungen bezahlen zu können. Deshalb bitte im Bekanntenkreis sammeln, den beiliegenden Erlagschein beachten..

Letzte Information: Die Wahl wird laut Meinungsforschern von jenen entschieden, die nicht hingehen oder weiß wählen. Je weniger gültige Stimmen, desto billiger wird die absolute Mehrheit für einen Parteikandidaten. Aus eigener Kraft schafft bei hoher Wahlbeteiligung keiner die absolute Mehrheit im 1. Wahlgang.

Die angekündigte Text-Mappe ist nunmehr fertiggestellt und beziehbar (Unkostenbeitrag S 50,-). Rechtzeitig vor der Wahl erscheint eine Broschüre über die Verleihung der Naturschutzpreise 1975 bis 1985, verfaßt und herausgegeben von Doz.Dr. Bernd Lötsch. Auch diese Broschüre kann bei uns angefordert werden (S 60,-).

Bis zum 1., 2. oder 4. Mai verbleiben wir
Büro Freda Meissner-Blau
Wien, am 24. April 1986

Spendenkonten lautend auf Treuhänder Dr. Friedrich Weber, Rechtsanwalt

344/366: Severin Renoldner kommt in den Nationalrat

Heute vor 25 Jahren, am 9. Dezember 1991, folgte Severin Renoldner als Nationalratsabgeordneter auf Peter Pilz, der in den Wiener Gemeinderat wechselte.

Der oberösterreichische Theologe und Philosoph blieb bis zum 14. Jänner 1996 im Nationalrat.

342/366: Freut euch Leute, der Winter wird grün

Freut euch, der Winter wird grün.

Freut euch Leute, der Winter wird grün.

Heute bringen wir wieder ein schönes Stück aus unserer Fotosammlung: „Freut euch Leute der Winter wird grün“ – hoffentlich sagt Peter Pilz da nicht nur den Klimawandel voraus 😉


Fotograf_in und Jahr (vermutlich 19990er) nicht angegeben. Bei berechtigten Honoraransprüchen wenden Sie sich bitte an das Grüne Archiv.

340/366: Rückbesinnung zu den Wurzeln der Alternativen Listen

„Unsere historische Rolle und unseren Standpunkt in der politischen Landschaft werden wir ohne Rückbesinnung zu den Wurzeln  nicht bestimmen können.“ In der Ausgabe 10 der Netzwerk-Zeitung erschien dieser mit „N.N.“ gekennzeichnete Artikel über die Alternativbewegung.

Download im Original-Layout: 340-rückbesinnung-wurzeln-alternativbewegung (PDF, 1 MB)


Träumender Affe. Illustration aus dem Artikel über die Rückbesinnung zu den Wurzeln der netzwerk-Zeitung.

Träumender Affe. Illustration aus der netzwerk-Zeitung.

Unsere historische Rolle und unseren Standpunkt in der politischen Landschaft werden wir ohne Rückbesinnung zu den Wurzeln  nicht bestimmen können. In diesem Beitrag geht es um eine der Wurzeln der Alternativen Listen, die Alternativbewegung.

Die ersten Gedanken (1978 – 79)

Das Fremdwort „Alternative“ bedeutet auf deutsch „Wahlmöglichkeit“. Wir haben die Wahl: z.B. zwischen dem „harten“ und dem „sanften“ Weg der Energieversorgung. Wir müssen uns entscheiden: z.B. zwischen militärischer Vergeltung und sozialer Verteidigung. Beides gemeinsam ist unmöglich. Die Frage „so oder so“ müssen wir selber stellen, denn die Herrschenden stellen ihre Vorhaben mit größter Selbstverständlichkeit als die einzig möglichen Problemlösungen hin. Oder sie setzen uns falsche Alternativen vor, z.B. „Arbeit oder Umwelt“. Weil WIR aber die Fragen stellen, klingen sie ganz anders, in diesem Falle etwa: „arbeitsplatz- und umweltvernichtende Großbauten oder angepaßte Technik?“ Das Wort „Alternative“ bedeutet für uns also „grundsätzliche Alternative“. Wenn wir rufen: „Es geht auch anders!“ – meinen wir: ganz anders! Vor dem Entstehen der Alternativbewegung galt in weiten Kreisen sogar die Zukunft als feststehende Tatsache. Die Gesellschaft wird wie heute sein, nur mit viel mehr Technik, etwa wie in „Raumschiff Enterprise“, das ist doch ganz klar!

Deshalb war das erste Lebenszeichen der Alternativbewegung in Österreich die Ausstellung „Schluß mit der ewiggestrigen Zukunft!“ der Arbeitsgruppe Alternativen (AGA) 1978. Rund um diese Begriffe rankten sich weitere. Die Parole hie: Hier und Jetzt! Statt der sozialdemokratischen und kommunistischen Strategien zur Erringung einer gerechteren Gesellschaft besannen wir uns des ältesten, des utopischen Weges zum Sozialismus. Landkommunen und selbstverwaltete Betriebe wurden als Keimzellen einer neuen Gegenschaft gegründet, welche die alte etwa so verdrängen sollten, wie Milchsäurebakterien die Schimmelpilze in einer Joghurtkultur. „Utopien werden durch Verwirklichung konkret“ war auch das Motto des vom Forum Alternativ 1979 im Wiener Prater errichteten „Öko-Dorfes„.

Die Frage nach der Staatsgewalt und ihrer eventuell nötigen Eroberung, Zerstörung oder Neutralisierung wurde damals nicht gestellt. Heute, wo sie gestellt wird, reichen die Meinungen von „zerstören“ bis „ned amal ignorieren“. Neben der „sozialutopischen“ Alternativbewegung bildete sich, ohne daß eine scharfe Trennlinie ziehbar ist, die „spirituelle“ Alternativbewegung heraus. Sie sucht Alternativen zum oder im Christentum, geht vom grundlegenden Bedürfnis nach „Spiritualität“ aus, ohne dieses von den anderen Bedürfnissen zu trennen. Obwohl ich meine, daß auf diesem Boden auch so gefährliche Dinge wie die „neue“ Weiblichkeit und die Illusion, sich zu verändern sei schon Politik, entstanden sind, glaube ich doch, daß wir „politisch alternativ-Bewegten“ diese Bewegung nicht links liegen lassen dürfen. Als „politische Alternativbewegung“ schließlich könnten wir all jene Gruppen bezeichnen, die aus dem allgemeinen Großstadtfrust oder konkreten Bedürfnissen heraus mit Forderungen ins politische System eingreifen (z.B. die Burggartenbewegung).

Die Alternativmode (1979 – 80)

war 1979 en vogue und machte sich so schnell breit, daß noch heute viele sie mit der Alternativbewegung verwechseln. Es begann mit der Schöpfung des Eigenschaftswortes „alternativ“. „Alternativ“ war etwa, sich einzurauchen, Latzhosen und indische Kleider zu tragen und sich nicht nur gesund, sondern makrobiotisch oder „biodynamisch“ zu ernähren. Dahinter standen handfeste Interessen der Reformhäuser, der Textilimporteure und der Dealer. Auch die Personenbezeichnung „Alternativler“ wurde als Neuauflage des Hippies geprägt. Lesen Sie weiter

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