366 x grün

Weblog des Grünen Archivs zur Geschichte der Grünen und Alternativen in Österreich

Schlagwort: Vorarlberg (Seite 2 von 2)

93/366: 3000 Menschen bei Ostermarsch in Vorarlberg

Ostermarsch. Erste Internationale Veranstaltung zum Thema Frieden und Umwelt. Foto: Gerhard Jordan

Erste Internationale Veranstaltung zum Thema Frieden und Umwelt. Foto: Gerhard Jordan

Heute vor 28 Jahren, am 2. April 1988, fand in Bregenz der “Erste Internationale Bodensee-Ostermarsch für Frieden und Umwelt” statt: Rund dreitausend Menschen aus Österreich, aus der Schweiz und der BRD, aus Italien und aus Liechtenstein nahmen daran teil. Gerhard Jordan berichtete in der ersten Ausgabe der Zeitschrift “Ventyl” über diesen Ostermarsch und illustriert auch die 30jährige Tradition dieser Kundgebungen.


//zitat// Samstag, 2. April 1988, 14.00 Uhr, Bregenz: glitzernd, einem Meer gleich, breitet sich der Bodensee bis zum Horizont aus, schon den ganzen Tag über herrscht strahlendes Frühlingswetter. Mehr und mehr bunt gekleidete Menschen versammeln sich nahe der Mole am Ufer: sie kommen zu Fuß, mit der Bahn, mit dem Schiff und mit dem Fahrrad. Ihr Ziel ist der “1. Internationale Bodensee-Ostermarsch für Frieden und Umwelt”, den die “Unabhängige Friedensinitiative (UH) Vorarlberg” organisiert hat.

Logo des Bodensee-Ostermarsches.

Logo des Bodensee-Ostermarsches.

Der Brauch, alljährlich zu den Osterfeiertagen Friedensmärsche zu organisieren, ist in Europa bereits 30 Jahre alt – er begann 1958 mit der Gründung der britischen “Campaign for Nuclear Disarmament” (Kampagne für nukleare Abrüstung). Vor genau einem Vierteljahrhundert, am 2. April 1963, fand der erste Ostermarsch in Österreich statt, unterstützt von auch heute noch aktiven Friedenskämpfern wie Robert Jungk und Günther Anders. Der Marsch richtete sich gegen die damals noch überirdisch durchgeführten Atomtests und führte von Mödling über Perchtoldsdorf nach Wien. Im “Jahr der Studentenrevolte” – am 27. und 28. April 1968 – fand der bislang letzte österreichische Ostermarsch statt, bestehend aus einer Demonstration vom Westbahnhof über die Mariahilferstraße (unter lautstarker Beteiligung der “Neuen Linken”) mit anschließender Kundgebung in den Sophiensälen und einem Autokonvoy (Grüne gab’s damals noch nicht) von Wien über Wiener Neustadt, Mürzzuschlag und Kapfenberg nach Graz am darauffolgenden Tag. Die Beendigung des Vietnamkriegs, ein Rüstungsstopp und eine aktive Friedenspolitik Osterreichs waren die Ziele, für die damals marschiert wurde. Nach der Zerschlagung des “Prager Frühlings” im August 1968 und der darauffolgenden Säuberung der KPÖ von kritischen Mitgliedern zerfiel die Ostermarschbewegung bald, und es sollte 20 Jahre dauern, bis diese Tradition in Österreich wieder aufgegriffen wurde. Lesen Sie weiter

72/366: 800 KandidatInnen für die Grüne Wirtschaft

Heute vor elf Jahren, von 12. bis 15. März 2005, kandidierte die Grüne Wirtschaft erfolgreich bei den bundesweiten Wirtschaftskammerwahlen. Die Vertretung der grünen UnternehmerInnen zog – außer im Burgenland – mit insgesamt dreizehn Mandaten in alle Landes-Wirtschaftsparlamente ein. Im Parlament der Bundes-Wirtschaftskammer erreichte die Grüne Wirtschaft erstmals drei Mandate (Volker Plass, Ruperta Lichtenecker, Fritz Kofler) und 4,46% der Stimmen. Die besten Landes-Ergebnisse wurden in Vorarlberg (18,66%), Wien (9,20%) und Oberösterreich (4,72%) erzielt. Erstmals stellten die Grünen (mit Fritz Kofler) auch den Vorsitzenden der größten Fachgruppe Österreichs, Unternehmensberatung & Informationstechnologie (UBIT) Wien. Außerdem wählte der Bundesfachverband Werbung trotz absoluter Mehrheit des Wirtschaftsbundes den Grünen Peter Drössler zum Obmann.

Presseaussendungen zur Wahl 2005 zum Nachlesen


Die Grüne Wirtschaft entstand 1999 und wurde im Frühjahr 2000 offiziell als Verein gegründet. Im März 2000 trat die Gruppe erstmals bei Wirtschaftskammerwahlen in Wien an und erreichte 5,7% der Stimmen und sechzig Fachgruppen-Mandate. Außerdem zogen zwei grüne MandatarInnen ins Wiener Wirtschaftsparlament ein. In den folgenden Jahren wurden in allen Bundesländern Ländergruppen aufgebaut.

70/366: Letzte Fragen an… Kaspanaze Simma

Das Interview “Letzte Fragen an… Kaspanaze Simma” wurde von Klaus Stimeder für das Monatsmagazin DATUM 10/2007 (*) geführt und wird hier mit freundlicher Genehmigung des DATUM-Chefredakteurs Stefan Apfl veröffentlicht.


Portraitphoto von Kaspanaze Simma: Mann mit weiß-grauem Vollbart und rotem Pullover

Kaspanaze Simma. Photo: Bella.la, 2009, CC-BY

//zitat// Kaspar Ignaz Simma (53) alias Kaspanaze Simma lebt mit seiner sechsköpfigen Familie als Selbstversorger auf seinem Bauernhof in der 2.300-Einwohner-Gemeinde Andelsbuch im Bregenzerwald in Vorarlberg. Der heutige Biobauer war eine der ersten Galionsfiguren der Grünen, die auch bundesweite Bekanntheit erlangten. 1984 schaffte er bei den Vorarlberger Landtagswahlen als erster Grüner den Einzug in einen österreichischen Landtag. Mit 13 Prozent und vier Mandaten feierte Simma an der Spitze der Wahlgemeinschaft von Alternativer Liste und Vereinten Grünen den für lange Zeit größten Erfolg der Grünen auf Landesebene (erst 2003 gelang den Tiroler Grünen mit 15,6 Prozent ein besseres Ergebnis).

Simma stammt aus einer streng katholischen Familie und engagierte sich zunächst im ÖVP-Bauernbund, bis er sich in den Siebzigern der aufkeimenden Ökologiebewegung und in weiterer Folge den Grünen anschloss. Nachdem sich die Vorarlberger Landesgrünen bis 1989 heftig zerstritten hatten, schaffte Simma als Kandidat der Vereinten Grünen Österreichs den Einzug ins Landesparlament nicht mehr – erst fünf Jahre später schaffte er die Rückkehr, aber zu diesem Zeitpunkt war sein Stern bereits verglüht. 1999 bewarb er sich noch einmal für ein Nationalratsmandat, scheiterte aber im Kampf um die Kandidatur in einem parteiinternen Ausscheidungsrennen. Seitdem hat er sich mit Ausnahme seiner Funktion als unabhängiger Gemeindevertreter in Andelsbuch aus der Politik zurückgezogen.

Herr Simma, in den Achtzigerjahren erlangten Sie als einer der Shootingstars der damals noch jüngen Grün-Bewegung bundesweite Bekanntheit. Heute sind Sie nicht mehr in der Politik und die grüne Parteispitze steht in der Kritik der eigenen Funktionäre. Wie geht es Ihnen, wenn Sie diese Diskussionen verfolgen?

Das Problem mit der heutigen Parteispitze ist, dass sie kein einziges zentrales Projekt mehr hat, das sie der Öffentlichkeit vermitteln kann. Sie ist viel zu sehr in der Tagespolitik verhaftet und hat vergessen, sich über grundsätzliche inhaltliche Fragen Gedanken zu machen – und eben darin liegt der Grund, warum es ein solches zentrales Projekt nicht gibt.

Und wer trägt da die Schuld daran?

Inhalte werden von Personen erarbeitet und getragen. Insofern ist es natürlich so, dass, wie soll man sagen, dass die heutige Parteispitze eng mit dem Problem verbunden ist. Ich höre immer nur Schlagwörter wie jenes von der Energiewende. Das hört sich zwar gut an, aber das kann es allein nicht sein. Lesen Sie weiter

48/366: Wissen glänzt nur im Innenteil. Grüne Bildungswerkstatt Vorarlberg 1988

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Ein Jahr Grüne Bildungswerkstatt. GBW Vorarlberg 1988 (Grünes Archiv)

Die Grüne Bildungswerkstatt mit ihren Ländervereinen wurde 1987 gegründet. Die GBW Vorarlberg zog nach einem Jahr Bilanz – mit einem Rückblick auf die ersten Veranstaltungen und mit Beiträgen über politische Bildungsarbeit. Der Text “Die Instrumente haben wir ja — nur die Musikstücke fehlen” von Wolfgang Maurer, Gernot Egger und Ingrid Bertel ist auch nach 28 Jahren eine spannende und aktuelle Lektüre.


//zitat// Kennzeichnend für die Entstehung der Grünbewegung in den späten siebziger Jahren ist das Brüchigwerden der konservativen, liberalen und marxistischen Weltbilder. Die neuen sozialen und politischen Bewegungen kritisieren an den übernommenen Theorieentwürfen deren mechanistisches Denken, das die Natur- und Gesellschaftswissenschaften ebenso wie die Medizin und die Volkswirtschaft auf ein falsches Fortschrittsideal verpflichtet habe. Mit dem Abebben der Impulse, die von der Studentenbewegung ausgegangen waren, entpuppten sich nicht nur gewisse Veränderungsansprüche als illusorisch, sondern es stellte sich nun immer deutlicher heraus, daß auch sozialdemokratische, sozialistische und marxistische Ansätze einem Wachstumsdenken verpflichtet sind, das es möglich macht, mechanistische Denkmodelle in Beton zu gießen.

Die Enttäuschung darüber, daß es auch den “fortschrittlichen” Theoriemodellen und der daraus abgeleiteten Praxis nicht gelungen ist, die fortschreitende Entfremdung der Menschen aufzuheben und die Zerstörung der Natur einzubremsen, führte viele zu einer Kritik am neuzeitlichen Rationalitätsbegriff überhaupt. Und so begann die Suche nach dem ganzheitlichen Denken, die die einen zu den Frühsozialisten, andere zu indianischen Kulturen, zum Schamanismus bzw. zu fernöstlichem Denken führte. Die gewaltsame Vereinnahmung dieser Traditionen, ohne auf die historische Differenz zwischen deren Entstehungszeit und dem Entwicklungsstand einer modernen Gesellschaft Rücksicht zu nehmen, ließ manche in schlichten Okkultismus abgleiten. Das Bild ist verwirrend. Die politische Praxis der Grünen fällt entsprechend chaotisch und uneinheitlich aus. Eine brauchbare Synthese ist nicht in Sicht, viel eher die Gefahr, durch eine allzu rückwärtsgewandte Suche das gewonnene aufklärerische Terrain wieder zu verlieren. Lesen Sie weiter

20/366: Grazer Grüne verdoppeln Zahl der Mandate

Heute vor acht Jahren, am 20. Jänner 2008, konnten die Grünen bei der Gemeinderatswahl in Graz die Zahl ihrer Mandate von vier auf acht verdoppeln. Lisa Rücker wurde Stadträtin für Verkehr, Umwelt und Wirtschaftsbetriebe und Vizebürgermeisterin nach einer im März 2008 geschlossenen Koalitionsvereinbarung mit der ÖVP. Diese Koalition in Graz war die dritte große schwarz-grüne Koalition in Österreich – nach der oberösterreichischen Landesregierung (2003-2015) und der Stadtregierung von Bregenz (ab 2005).

Vier Jahre später, am 30. Mai 2012, kündigte allerdings ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl die Koalition auf. Rückers Vermutung: “Die konsequente Umwelt- und Mobilitätspolitik hat Nagl parteiintern nicht mehr ausgehalten” (Quelle: Kleine Zeitung).

grüner Uhrturm mit grüner Beschriftung

Integration, Offenheit und Respekt rund um den Uhrturm.

Portraitphotographie einer Frau mit kurzen blonden Haaren, braungrünem Pulli und verschränkten Armen

Lisa Rücker. Bild: Die Grünen, Landespartei Steiermark.

13/366: Arbeit schaffen, Umwelt erhalten, Zukunft gestalten. Das Programm der Vorarlberger Grünen 1998

Das Programm der Vorarlberger Grünen. Beschlussvorlage für die Vollversammlung am 23.4.1998 (Grünes Archiv).

Das Programm der Vorarlberger Grünen. Beschlussvorlage für die Vollversammlung am 23.4.1998 (Grünes Archiv).

Die Vorarlberger Grünen formulierten in einer breit angelegten Programmdiskussion zwischen Juni 1997 und April 1998 wesentliche Positionen Grüner Politik. Das Programm “Arbeit schaffen – Umwelt erhalten – Zukunft gestalten” wurde im April 1998 beschlossen. Die Beschlussvorlage für die Vollversammlung am 23. April 1998 haben wir im Grünen Archiv.


//zitat// Wir sind Optimisten – auf Basis der Realitäten. Eine solidarische Gesellschaft in einer intakten Umwelt ist unsere Vision – wo wir sie gefährdet sehen, leisten wir Widerstand und ergreifen Partei. Menschenrechte und Gewaltfreiheit, Demokratie und soziale Gerechtigkeit sind unsere Werte. Die Geschwindigkeit von Leben und Wirtschaften hat sich dem Menschen und der Natur anzupassen – niemals umgekehrt. Was uns zusammenhält ist die Gewißheit, auf dem richtigen Weg zu sein, und der Wille, etwas zu bewegen. Das ist die Kraft der Grünen. //zitatende//

Die Kapitel:

  • Arbeit und Umwelt
  • Grundsicherung und Soziales Netz
  • Gleichberechtigung und Teilhabe
  • Miteinander leben
  • Freiheit und Transparenz

Das Programm deckt nicht alle Politikbereiche ab, da für manche Themen bereits bundesweite Programme vorlagen, auf die man sich stützte. Download: 013-gruene-vorarlberg-programm-1988-beschlussvorlage (PDF, 11 MB)


Zehn Jahre später, am 5. Juli 2008, beschloss die Landesversammlung der Vorarlberger Grünen ein überarbeitetes Programm mit dem Titel “Umwelt erhalten – Gerechtigkeit schaffen – Globalisierung gestalten”. Download:  013-gruene-vorarlberg-programm-kurz (graphisch gestaltete Kurzversion, PDF, 2 MB), 013-gruene-vorarlberg-programm-lang (textbasierte Langversion, PDF, 260 KB). Anmerkungen zur Programmüberarbeitung von Landessprecher Johannes Rauch: 013-gruene-vorarlberg-anmerkungen-programmueberarbeitung (PDF, 50 KB)

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