366 x grün

Weblog des Grünen Archivs zur Geschichte der Grünen und Alternativen in Österreich

Schlagwort: Steiermark (Seite 1 von 4)

Neuerwerbung 1/2017: Alternative Lebensformen in Österreich

A ...wie alternativ. Alternative Lebensformen in Österreich (1981)

A …wie alternativ. Alternative Lebensformen in Österreich (1981)

1981 gab der damalige „Presse“-Redakteur Andreas Unterberger das Buch „A …wie alternativ. Alternative Lebensformen in Österreich“ über die im Entstehen befindliche Alternativbewegung in Österreich und in Südtirol heraus. Das Grüne Archiv hat den Band soeben angekauft. Aus dem Vorwort des Herausgebers:

// Ist die österreichische Alternativbewegung eine Alternative? Ist Grün die Farbe der Zukunft? 14 Autoren versuchen eine Antwort zu geben. Sie beschreiben demonstrativ herausgegriffene und bewußt weitgestreute Alternativprojekte in 16 verschiedenen Bereichen, von der Frauenbewegung bis zur Nachbarschaftshilfe, von der Kirche bis zu den Wohngemeinschaften, von den Schulen bis zur Landwirtschaft, von der Medizin bis zur Meditation, von „weichen“ asketischen Ansätzen bis zu „harten“ Hausbesetzern. //

Inhaltsverzeichnis

  • Lukas Lessing / Andreas Unterberger: Eine neue Sprache: Alternativ-Glossar. Von Frust, Grönland und Zweierbeziehungen
  • Hans Haider: Kultur als Alternative – Alternative als Kultur. Von autoritären Alternativ-Intendanten, verarmten Künstlern und dem freien Wort
  • Lukas Lessing: Die vielen Bühnen der Wiener Szene. Von Büchern, Beisln und Kulturzentren
  • Elisabeth Baumgartner: Noch nie ist ein Haus in Bozen so geliebt worden. Von Südtirolern, Italienern und einem Volkstumskampf
  • Gerfried Sperl: Seit die Steirer zu alternativen Pionieren geworden sind. Von Grazer Studenten, nationalen Bürgern und einem neuen Heimatbewußtsein
  • Andreas Unterberger: Politischer Mummenschanz mit dem grünen Mäntelchen. Von Wahlkämpfern, Steinewerfern und Gartenzwerg-Freunden
  • Johannes Hawlik: Bürger, die der Lethargie den Kampf angesagt haben. Von Radfahrern, Aktionen für Spielplätze und gegen Autostraßen
  • Markus Kauffmann: Da habe ich gesehen, dass ich nicht alleine bin. Von Anonymen Alkoholikern, tanzenden Rollstuhlmädchen und Gruppen, die sich selber helfen
  • Marianne Enigl: Frauen im Kampf um ihre eigene Identität. Von Sehnsüchten, Kindern und – Männern
  • Andreas Unterberger: Wir machen uns unsere Schule selbst. Vom Lernen ohne Strafen, Prüfungen und Bürokratie
  • Lukas Lessing: Aus der Gemeinschaftsnot in die Wohngemeinschaft. Von Kommunen, Küchendienst und Gruppendunst
  • Michael Vogler: Das Heil im eigenen Ich. Von Scharlatanen, östlicher Meditation und westlicher Selbsterfahrung
  • Wolfgang Exel: Gesundheit auf kaum erklärbaren Wegen. Von Nadeln, Kräutern und dem Wasser
  • Herbert Grün: Weil die Kühe nicht mehr konnten. Von Schneckensud, Schafen und dem Kampf gegen die Vergifter
  • Kurt Ceipek: Bei uns kommt die Energie aus dem Misthaufen. Von der Sonne, Schweinemästern und dem Schnaps im Tank
  • Alexa Gaspari / Christof Gaspari: Der stille Aufbruch in der Kirche. Von Klöstern, Wüstentagen und neuen Gemeinschaften
  • Werner Ertel: Wo die Dritte Welt an erster Stelle kommt. Von Selbstbesteuerern, Strukturen-Bewußtmachern und Kaffee aus Guatemala
  • Andreas Unterberger: Eine Hoffnung aus den Widersprüchen. Von Angst, Egoismus und einem neuen Bewußtsein

365/366: Anti-Draken-Demo in Graz am 13. Juni 1987

Am 21. Mai 1985 wurde der Kaufvertrag über die Draken, schwedische Abfangjäger, abgeschlossen. Im November 1985 erreichte das „Volksbegehren gegen Abfangjäger – für eine Volksabstimmung“ 18.433 Unterstützungserklärungen. Das Anti-Draken-Volksbegehren im Bundesland Steiermark wurde im März 1986 von 140.817 Personen unterschrieben. Am 6. Juni trafen sechs Jets in Graz-Thalerhof ein, am 13. Juni 1987 fand in Graz eine Demonstration gegen die Stationierung der Draken statt.

In der „Schwarzen Distel„, der Zeitschrift der anarchistischen Gruppe „Revolutionsbräuhof„, erschien der folgende Beitrag über die Anti-Draken-Demo in Graz. Die Aktivitäten der österreichischen Friedensbewegung wurden als wenig zielführend gesehen.


Text über die Draken aus der "Schwarzen Distel", der Zeitschrift des Revolutionsbräuhofs.

Text über die Anti-Draken-Demo aus der „Schwarzen Distel“, der Zeitschrift des Revolutionsbräuhofs.

Die Anti-Drakendemo in Graz ist genauso abgelaufen, wie wir es befürchtet hatten; ein Zeichen dafür, daß es sowas wie Widerstand gegen unannehmbare Lebensumstände in diesem Österreich kaum gibt. Scheinbar sind die Erfahrungen der Friedensbewegungen in der BRD nicht bis Österreich durchgedrungen – die Wirkungslosigkeit von volksfestartigen Samstagnachmittagsspaziergängen durch Innenstädte. Noch immer wird erhofft, daß diejenigen, die uns bescheißen und ausquetschen auf Bittgesuche, auf erniedrigende Demutsbekundungen hin, sich von ihren Vorhaben abbringen lassen.

Und dies eben zeigt auch. daß hier grundsätzliche Auffassungsunterschiede zwischen Anarchisten und Teilen der Anti-Abfangjägerbewegung gibt. Es wird an den Staat Österreich appeliert, keine Abfangjäger zu kaufen, sondern das Geld, das er vorher den Arbeitenden abgeknöpft hat, in deren Sinne einzusetzen; als ob die Aufgabe hätte, sich um das Wohl seiner Bürger zu kümmern. Es wird behauptet. daß Österreich keine Abfangjäger braucht. DAS IST FALSCH!!! Jeder Staat braucht ausreichende Gewaltmittel, um sich gegen Bedrohungen von innen und außen zu verteidigen; der Staat beansprucht nun einmal das Gewaltmonopol für sich und wird sich mit all den Mittel versorgen, die er für nötig hält. Ein weiterer Grund, warum Österreich Abfangjäger braucht ist, daß Österreich in die Nato-Strategie gegen den Osten eingebunden ist, und eben seinen aliquoten Teil zur Verteidigung der freien Welt zu leisten hat; auch, wenn sie am Dnjepr verteidigt wird! Lesen Sie weiter

349/366: Alternative Universität zum „Sinn von Arbeit“

Der Beitrag über die Alternative Universität erschien in der Broschüre "10 Jahre Grüne Bildungswerkstatt" (1996)

Der Beitrag über die Alternative Universität erschien in der Broschüre „10 Jahre Grüne Bildungswerkstatt“ (1996)

„Arbeit scheint die Funktion der Orientierung und Sinngebung für eine größer werdende Anzahl von Menschen nicht mehr erfüllen zu können. Ist der Sinn nur mehr ‚Unsinn‘, kann Arbeit wieder versinnlicht werden, und wenn ja, an welchen Kriterien muß sich sinnvolle Arbeit ausrichten?“ Die Alternative Universität Graz, ein Bildungsprojekt der Grünen Akademie Steiermark, widmete sich 1995 dem „Sinn von Arbeit“. Ein Bericht dazu erschien in der Broschüre „10 Jahre Grüne Bildungswerkstatt“ (1996).


Die AUG behandelte den „Sinn von Arbeit“. Dies hatte zwei Gründe: Einerseits hieß das Schwerpunktthema der Grünen Bildungswerkstatt Bund für das Jahr 1995 „Arbeitswelten – Lebenswelten“, und die Grüne Akademie wollte zu dieser Thematik aktiv werden. Andererseits ergab sich aus den inhaltlichen Diskussionen innerhalb der Grünen Akademie in der Folge der ersten drei AUGs, daß in der zeitgenössischen Gesellschaft Phänomene der Orientierungslosigkeit zu beobachten sind. Da unsere Gesellschaft auch als Arbeitsgesellschaft bezeichnet wird, für die meisten Menschen also primär Arbeit Orientierung schafft, muß hier etwas faul sein. Arbeit scheint, eben diese Funktion der Orientierung und Sinngebung für eine größer werdende Anzahl von Menschen nicht mehr erfüllen zu können. Ist der Sinn nur mehr „Unsinn“, kann Arbeit wieder versinnlicht werden, und wenn ja, an welchen Kriterien muß sich sinnvolle Arbeit ausrichten? Lesen Sie weiter

332/366: Schreibwettbewerb zum Klimawandel: Die Macht der Zwetschke

Eva Glawischnig (Hrsg.): Die Macht der Zwetschke. Junge Gedanken zum Klimawandel. Wien: Ueberreuter 2008

Eva Glawischnig (Hrsg.): Die Macht der Zwetschke. Junge Gedanken zum Klimawandel. Wien: Ueberreuter 2008

2007 startete Eva Glawischnig, damals dritte Nationalsratspräsidentin, den Schreibwettbewerb [clim-8], bei dem Schülerinnen und Schüler der Oberstufen eingeladen waren, sich mit Klimaschutz und Klimawandel auszueinanderzusetzen. 300 Texte wurden eingereicht. Die Jury mit Johanna Rachinger, Eva Rossmann, Michael Lohmeyer und Helga Kromp-Kolb wählte 25 Arbeiten aus. 2008 erschienen ausgewählte Beiträge im Buch „Die Macht der Zwetschke“, erschienen im Ueberreuter Verlag. Daraus bringen wir einen kleinen Auszug.

Die fünfzehnjährige Grazerin Valerie Pichler formulierte ihre Vision, wie die Steiermark im Jahr 2037 aussieht, so:

Wo einst die gut besuchte Skihütte stand, wo die Leute sagten: „Gitti, gib mir an Glühwein zum Aufwärmen!“, heißt es jetzt: „Gitti, bring ma a Piña Colada“ zum Abkühlen!“.

Ein paar patriotische Steirer singen die Landeshymne: „Hoch vom Dachstein an, wo der Aar …, nein, der Kolibri noch haust…“ Ja, ein Kolibri, denn der Dachstein hat tropische Klimaverhältnisse angenommen und somit den Aar bzw. Adler vertrieben.

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328/366: Einzug ins Parlament. Nationalratswahl am 23. November 1986

Ergebnisse der Nationalratswahl im Burgenland.

Ergebnisse der Nationalratswahl im Burgenland.

Heute vor dreißig Jahren, am 23. November 1986, gelang der Grünen Alternative der Einzug ins Parlament: bei der Nationalratswahl wurden 4,82 Prozent der Stimmen erzielt. Somit gab es erstmals acht grüne Abgeordnete.

Gerhard Jordan ließ in seinem Rückblick auf das erste Jahr im Parlament die Ereignisse Revue passieren. Der Artikel erschien 1987 im Band „Die Republik im Fieber“. Dass die Geschichte der Grünen und der grünen Einigung keine einfache war, zeigt sich alleine schon an der Vielzahl an grünen und alternativen Gruppierungen, die in diesem Beitrag vorkommen: von GRAS und VGÖ über GAL und BIP bis ALÖ und HEK…


Die Nationalratswahl am 23. November 1986

Im Jahr 1986 kam es zu größeren Umbrüchen in der österreichischen politischen Landschaft: Freda Meissner-Blau hatte bei der Bundespräsidentschaftswahl am 4. Mai 5,5% der Stimmen erreicht und einen zweiten Wahlgang erzwungen. Dieser brachte dann, begleitet von einer Welle des Antisemitismus und „Mir-san-Mir“-Patriotismus, den folgenschweren Sieg Kurt Waldheims. Es folgten Schlag auf Schlag die Ablöse von Bundeskanzler Sinowatz durch Franz Vranitzky, der Sturz von FPÖ-Chef Steger durch Jörg Haider, die Aufkündigung der SPÖ-FPÖ-Koalition durch Bundeskanzler Vranitzky und die Ankündigung von Neuwahlen für den 23. November 1986. Eine Rechts-Wende fand nicht nur in SPÖ, FPÖ und an der Spitze des Staates statt, sondern sogar in der Amtskirche (Erzbischof Groer, Weihbischof Krenn).

Das Szenario in der österreichischen Grünbewegung im Herbst 1986 stellt sich ungefähr folgendermaßen dar: auf der einen Seite die VGÖ („Vereinte Grüne Österreichs“), die bei der Nationalratswahl 1983 noch unter Alexander Tollmann 1,93% erreicht hatten, auf der anderen die ALÖ („Alternative Liste Österreich“, hatte 1983 ebenfalls kandidiert und 1,36% erreicht) bzw. die davon übriggebliebenen Reste, und dazu die noch Hainburg entstandenen neuen Gruppierungen BIP („Bürgerinitiative Parlament“) und GRAS („Grün-Alternative Sammlung“). Die BIP umfaßt neben einigen „Promis“ wie Günther Nenning, Peter Pilz, Johannes Voggenhuber (Bürgerliste Salzburg) und Werner Vogt auch den Freda Meissner-Blau-Wahlkampfleiter Pius Strobl und den sogenannten „Grazer Flügel“ der ALÖ. In der GRAS Wien sammeln sich die „Alternative Liste Wien“, die Wiener BIP und der von Josef Buchner ausgeschlossene Wiener Landesverband der VGÖ.

Exponent/inn/en aller dieser Strömungen versuchen in zahlreichen und oft anstrengenden Sitzungen des sogenannten „Hainburger Einigungskomitees“ (HEK), zu einer gemeinsamen Organisationsform zu kommen. Unter dem Druck der Wahlvorverlegung wird schließlich der zeitliche Fahrplan der Einigung über den Haufen geworfen. Um die Ereignisse, die schließlich zur Gründung der Partei „Die Grüne Alternative — Liste Freda Meissner-Blau (GRÜNE)“ führten, im Detail zu beschreiben, fehlt hier der Platz.

Ein Konflikt, der zumindest in Wien zu Frustrationen vor allem in engeren Kreis der Alternativszene führte, war die Nicht-Anerkennung des Ergebnisses der Wiener Kandidat/inn/enwahlversammlung vom 4. Oktober: auf der in einem emotional geladenen Klima abgehaltenen Versammlung wird Andrea Komlosy (gegen Freda Meissner-Blau) vor Erica Fischer (gegen Peter Pilz) und Günther Nenning gewählt. In allen anderen Bundesländern (außer Vorarlberg) ist hingegen Freda Meissner-Blau Listenführerin. So kommt es zu Protesten gegen das Ergebnis und den Ablauf der Versammlung (auf der einige Leute ihre Kandidatur zurückgelegt hotten) und zu vergeblichen Versuchen, einen Kompromiß zu finden. Das HEK löst sich auf. Lesen Sie weiter

326/366: Was uns vom Ofteringer Treffen in Erinnerung geblieben ist

Der Beitrag über das Ofteringer Treffen erschien im Alternativenrundbrief.

Der Beitrag über das Ofteringer Treffen erschien im Alternativenrundbrief.

100 Vertreter_innen verschiedener Alternativgruppen trafen einander im März 1982 auf einem Bauernhof nahe Linz. Das Ofteringer Treffen war eine der Nachfolgeveranstaltungen des ersten gesamtösterreichischen Alternativentreffens, das 1978 in Graz stattgefunden hatte. Die Delegierten beschlossen, bei der Nationalratswahl 1983 zu kandidieren, und diskutierten über Grundwerte und Grundsatzprogramm.

Dan Jakubowicz und Gerhard Geissler lieferten im Alternativenrundbrief 53 vom April 1982 einen Bericht.


Am 20./21.März 1982 fand auf einem Bauernhof in Oftering in der Nähe von Linz ein Delegiertentreffen von österreichischen Alternativgruppen statt. Etwa 100 Leute waren gekommen; leider waren die Bundesländer Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Kärnten und Burgenland nur schwach oder gar nicht vertreten.

Nach einer Vorstellungsrunde ging es in drei regionale Arbeitskreise; wir Wiener können nur etwas über den Kreis Wien/NÖ/Bgld. erzählen. Am Anfang gab es eine kurze Debatte über die Frage, ob über die Frage einer Kandidatur zum Nationalrat überhaupt noch gesprochen werden müsse oder ob das „eh schon klar“ sei. Letztlich wurde dann doch darüber gesprochen und es stellte sich heraus, daß fast alle eine Kandidatur befürworteten. (Wie hörten später, daß es in der Gruppe Stmk/ Ktn. ebenfalls eine überwiegend positive Meinung zur Kandidatur gegeben hat, während die Stimmung der Gruppe OÖ + westlich davon eher geteilt war.)

Vertreter der Wiener Homosexuelleninitiative erklärten sich bereit, die AL zu unterstützen, falls sie die Gleichberechtigung für Homosexuelle zu einem ihrer wesentlichsten Programmpunkte machen würde. Während es in unserer Gruppe niemanden gab, der dieser Minderheit die gleichen Rechte absprechen wollte, gab es Stimmen, die der Ansicht waren, dieses Problem müßte zwar im AL-Programm erwähnt werden, es sei aber in seiner Wertigkeit nicht als eine Hauptforderung geeignet (z.T. aus sachlichen, z.T. wohl aus wahltaktischen Gründen). Die HOSI-Vertreter waren sehr verärgert und zeigten das auch; es scheint, als wären sie derzeit nicht mehr an der AL interessiert (einer hielt es im Gespräch im kleinen Kreis z.B. für unakzeptabel, Stadtautobahnen für gleich wichtig zu halten wie Homosex.-Diskriminierung).

grüne Ideologie

In der Wien/NÖ/Bgld.-Gruppe wurde auch darüber diskutiert, ob das Kitzmüller-Papier [Programmentwurf von Erich Kitzmüller, Anm.] als Grundlage für eine Programmdiskussion geeignet sei. Der Absatz über die Einschränkung der Sozialleistungen wurde kritisiert, und über das Wort „gewaltfrei“ gab es eine längere Diskussion. Die Delegierten der Wiener AL hielten das Kitzmüller-Papier wegen der darin enthaltenen „grünen“ Ideologie für unannehmbar; ein Aktionsprogramm mit dem Schwerpunkt Arbeitslosigkeit bzw. bei konkreten Aktionen und Forderungen ohne ideologischen Hintergrund wäre ihnen besser erschienen. Auch über dieses Thema wurde längere Zeit gesprochen. [Alois] Englander stellte seine Idee einer gemeinsamen Kandidatur möglichst vieler angemeldeter „grüner“ Parteien und der AL vor; neben der Bezeichnung der Wahlplattform (Parteibezeichnung) könne der Wähler ja durch Hinschreiben eines Personennamens seine Präferenz für eine der Teilgruppen kundtun, und nach diesem Schlüssel sollten dann die Mandate verteilt werden.

326-ofteringer-treffen-1Im Plenum wurde dann nochmals über die Frage „Kandidatur – ja oder nein“ diskutiert. Der Schärdinger Gruppe, die besonders skeptisch gegenüber einer Kandidatur war (Argumente siehe Alt.-Rundbrief 52a), wurde geantwortet, daß man Gegenstimmen keineswegs „überfahren“ wolle. Im Gegenteil, man müsse aus den Ängsten der Skeptiker lernen und die AL eben so aufbauen, daß diese Ängste nicht Wirklichkeit werden. Letztlich meinten dann die Schärdinger, sie wollten einer Kandidatur, obwohl sie sie nicht für zweckmäßig hielten, nichts in den Weg legen. Von vielen Seiten gab es Aufrufe zur Zusammenarbeit aller kandidierenden Gruppen: ein Wiener Vertreter der Wallner-„Grünen“ distanzierte sich von diversen Aktionen von [Elisabeth] Schmitz und [?] Wallner (!) und wies darauf hin, daß die große Mehrheit ihrer Gruppe ganz ähnliche Ansichten habe wie die AL und daß sie sehr gerne über eine Zusammenarbeit diskutieren würden. Lesen Sie weiter

320/366: Verbraucherverband: Mit der Einkaufstasche gegen die Macht der Giftproduzenten

1984 wurde der Österreichische Verbraucherverband gegründet, der sich in der Netzwerk-Zeitung vorstellte.

1984 wurde der Österreichische Verbraucherverband gegründet, der sich in der Netzwerk-Zeitung vorstellte.

Der Österreichische Verbraucherverband (ÖVV) wurde am 20. Oktober 1984 in Linz gegründet. In der Netzwerk-Zeitung 9 (1984) stellte sich die „Selbstschutzorganisation der Konsumenten“ vor. Erstes Ergebnis der Arbeit war eine Informationsbroschüre über Dioxin.


Kritischer Konsum

Mit der Einkaufstasche gegen die Macht der Giftproduzenten

Am 20. Oktober hat in Linz die Gründungsversammlung des Österreichischen Verbraucherverbandes/ÖVV stattgefunden. Etwa 50 Menschen aus verschiedenen Umweltschutzgruppen aus der Steiermark, Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg haben sich nach 7 Monaten Vorbereitung auf Statut, Ziele und die ersten Aktionen des ÖVV geeinigt. Der ÖVV will eine überparteiliche und überregionale Selbstschutzorganisation der Konsumenten sein.

Er will erreichen, daß

  • giftige und schädliche Produkte vom Markt verschwinden
  • die Müllberge nicht in den Himmel wachsen
  • Rohstoffe und Energie sparsam eingesetzt werden
  • die Benachteiligung der Entwicklungsländer aufhört
  • dem Export von Giftstoffen in die Dritte Welt ein Ende gemacht wird.

Die Idee einer solchen Konsumentenorganisation wird nicht nur in der Umweltbewegung diskutiert. In der ÖGB-Illustrierten „Solidarität“ findet sich in der Sommernummer 1984 folgendes Zitat:

Gäbe es eine Organisation, wo alle Hausfrauen ihr Konsumverhalten besprechen und aufeinander abstimmen könnten, wäre ihre Macht in der Wirtschaft nahezu uneingeschränkt.

Stellen wir uns zum Beispiel vor, Hunderttausende würden einige Monate lang keine Getränke in Dosen und Plastikflaschen kaufen… Die Auswirkungen würden die Hersteller sicher zum Nachdenken bringen. Lesen Sie weiter

310/366: November 1982: Gründungsversammlung der Alternativen Liste Österreich

Einladung zur Gründungsversammlung der Alternativen Liste Österreichs in Graz.

Einladung zur Gründungsversammlung der Alternativen Liste Österreichs in Graz.

„Nur eine Gesellschaft, die die Arbeit solidarisch organisiert und in der Konflikte mit immer weniger Gewalt ausgetragen werden, kann zur friedlichen Koexistenz mit der Natur hinfinden“. Heute vor 34 Jahren, am 5. November 1982, fand die Gründungsversammlung der Alternativen Liste Österreich (ALÖ) im Grazer Kulturzentrum Minoriten statt. Die ALÖ wurde getragen von AktivistInnen aus der Anti-AKW-, Dritte Welt-, Friedens- und Frauenbewegung, in Wien auch von Teilen der studentischen Linken.

Die Einladung zur Gründungsversammlung wurde in der ALGinfo vom Oktober 1982 abgedruckt. Als Grundsätze der Alternativen Listen werden dabei „ökologisch“, „basisdemokratisch“, „solidarisch“ und „gewaltfrei“ genannt. Diese zählen,  ergänzt um „feministisch“ und „selbstbestimmt“, noch heute zu den Grundwerten der Grünen.


ökologisch

Die Natur ist Grundlage unseres Lebens. Die Zerstörung der Natur wäre die Zerstörung von uns selber. Diese Zerstörung geht von einem auf maximales Ausnützen, auf Profit- und Machtstreben gerichteten Wirtschaftssystem aus. Ökologisch bedeutet daher viel mehr als nur Natur- und Umweltschutz. Das Umschwenken in eine ökologisch tragfähige Gesellschaft geschieht als Abbau der Verdrängungskonkurrenz zwischen den Menschen, als Abbau des Patriarchats und anderer Herrschaftsverhältnisse. Nur eine Gesellschaft, die die Arbeit solidarisch organisiert und in der Konflikte mit immer weniger Gewalt ausgetragen werden, kann zur friedlichen Koexistenz mit der Natur hinfinden.

Am selben Tag wie die Gründungsversammlung sprach Petra Kelly in Graz über die westeuropäische Friedens- und Alternativenbewegung.

Am selben Tag wie die Gründungsversammlung sprach Petra Kelly in Graz über die westeuropäische Friedens- und Alternativenbewegung.

basisdemokratisch

Demokratie soll zu dem gemacht werden, als was sie gedacht war: eine Organisationsform, in der die Menschen eigenverantwortlich über ihr Leben entscheiden, und an Beschlüssen, die sie betreffen, von der Basis her teilnehmen.

solidarisch

Unser Arbeiten und Wirtschaften soll von den Lebenswünschen und Bedürfnissen der Menschen her neu organisiert werden. Die Menschen selber bestimmen, was, wozu und wie produziert wird. Niemand in unserer Gesellschaft darf ausgestoßen werden, unter welchen Vorwänden auch immer. Das staatliche Sozialnetz darf auch nicht zum Vorwand für eine zerstörerische Wirtschaftsausdehnung werden. Die soziale Sicherheit soll auf überschaubaren, menschenger[echten] Lebensformen aufbauen. Auch der Umgang miteinander soll durch Verständnis, Toleranz, Einfühlungsvermögen bestimmt sein.

gewaltfrei

Wir streben die Verringerung von Gewalt an, mit dem Ziel der Gewaltfreiheit. Wir wenden uns gegen Kriegsvorbereitungen, Kriegsdrohungen und Waffenproduktion, ebenso wie gegen ihre Ursachen. Gewaltfreiheit verlangt keine Passivität gegen Unrecht und Herrschaft. Sie ist der Anspruch, aktiv Widerstand zu leisten gegen Unrecht und lebensbedrohende Aggression. Sie ist nicht ein Verschleiern und Verdrängen von Konflikten, sondern das Austragen von Konflikten mit friedlichen Mitteln.

305/366: Kommunalpolitischer Feuermelder. Die Alternative Liste Graz

Alternative Liste Graz - jetzt mischen wir uns ein!

Alternative Liste Graz – jetzt mischen wir uns ein!

„Wir betrachten uns als eine Art ‚kommunalpolitischer Feuermelder‘ für Aktivbürger und Bürgerinitiativen gegenüber der (ohn-) mächtigen Rathauspolitik“. So beschreibt sich die Alternative Liste Graz in einem Faltblatt zur Gemeinderatswahl 1983. Jeden Mittwoch trafen sich die Engagierten aus verschiedensten Bereichen der Ökologie-, Alternativ- und Friedensbewegung in der „Dezentrale für Alternativen“ in der Prokopigasse 2/1. Im folgenden die Selbstdarstellung.

Die ALG erreichte bei der Wahl im Jänner 1983 knapp unter elftausend Stimmen und 7,04 Prozent, das entsprach vier Mandaten. Graz war somit die erste Großstadt Österreichs mit Grün-Alternativen im Gemeinderat.

Download des vierseitigen Folders: 305-alternative-liste-graz-wer-sind-wir (PDF, 2 MB)


Wer sind wir? Vor einem Jahr haben sich Aktivisten aus Grazer Bürgerinitiativen (Stadtteilinitiativen, Anti-AKW-Gruppen, Verkehrsgruppen, Dritte Welt-Initiativen. Friedensleute etc.) gemeinsam mit engagierten Einzelpersonen zur Alternativen Liste zusammengetan, mit dem Ziel, ihre politische Erfahrung noch wirkungsvoller als bisher in die Grazer Kommunalpolitik einzubringen.

ganz normale Unzufriedene

Dieser Kreis politisch engagierter Grazerinnen und Grazer hat sich in den letzten Monaten rapid vergrößert: Unsere wöchentlichen – offenen – Treffen (jeden Mittwoch in der „Dezentrale“) sind eine bunte lebendige Mischung aus alten „Bürgerinitiativ-„Kämpfern“, Hausfrauen und Studenten/innen, bis hin zu ganz „normalen Unzufriedenen“.

Wir betrachten uns als eine Art „kommunalpolitischer Feuermelder“ für Aktivbürger und Bürgerinitiativen gegenüber der (ohn-) mächtigen Rathauspolitik.

Alternative zur Einheitspartei

Wir sind die Alternative zur ewiggestrigen Einheitspartei SPÖVPFPÖ.

Wir sind nicht der liebe Weihnachtsmann, der uns in „rot-gelb-blau“ von den Plakatwänden vor den Wahlen vielversprechend entgegenlächelt, alles verspricht und hinterher nichts hält.

Und wir haben auch nichts zu tun mit diversen, aus Wien oder Salzburg ferngesteuerten „Grünen“, bei denen man sich fragen muß, warum sie sich eigentlich grün nennen.

Die Alternative Liste Graz versteht sich als ein Teil der weltweit sich entfaltenden Ökologie- und Friedensbewegung.

303/366: Anforderungen an eine grüne Wirtschaftspolitik

Perspektiven ökoloogischer und sozialer Wirtschaftspolitik in Österreich.

Perspektiven ökoloogischer und sozialer Wirtschaftspolitik in Österreich (1987)

Der Kongress „Perspektiven ökologischer und sozialer Wirtschaftspolitik in Österreich“ fand am 31. Oktober und 1. November 1987 in Leoben statt. Er wurde von der Grün-Alternativen Liste Steiermark und der Grünen Akademie veranstaltet.

Ziel der Veranstaltung: „Diskussionen über wirtschaftliche Alternativen sind ein Gebot der Stunde — für die grünalternative Bewegung ebenso wie für all jene außerhalb dieser Bewegung, die erkannt haben, daß die herrschende Politik — die Politik der Herrschenden! — uns immer tiefer in die soziale und ökologische Sackgasse führt. Immer mehr reift unter dem Druck dieser Politik die Erkenntnis, daß scheinbar unzusammenhängende Probleme — Arbeitslosigkeit, Waldsterben, Einengung der demokratischen Möglichkeiten, Pensionsabbau, Ausufern des Individualverkehrs, Zerschlagung der Verstaatlichten und der Gemeinwirtschaft, soziale Ungleichheit, umweltschädigende Produktionsweisen, Verdrängung der Frau aus der Arbeitswelt, — sich auf dem gemeinsamen Boden des herrschenden Wirtschaftssystems entwickelt haben. Diese Zusammenhänge zu diskutieren, Standpunkte zu bestimmen, Entwicklungen zu skizzieren und Alternativen und Utopien zu entwickeln soll die Aufgabe dieses Kongresses sein“.

Wir bringen den Beitrag „Anforderungen an eine grüne Wirtschaftspolitik“ von Luise Gubitzer.


// Seit den 70er Jahren ist die Auseinandersetzung um die Mensch-(Gesellschafts-)Natur-Beziehung in das Zentrum gesellschaftskritischer Diskussion getreten. Ein wesentlicher Teil dieser „Ökologiediskussion“ ist die Diskussion um ein anderes Wirtschaften. Die hierbei erarbeiteten Vorschläge entstammen unterschiedlichen Traditionen und sind mangels eines „grünen Weltbildes“ ein Konglomerat von Ideologie- und Theoriebruchstücken, die oft entgegengesetzten Positionen zugehören und so zu widersprechenden Ergebnissen und Zielen führen. Um unter veränderten politischen Bedingungen ein Auseinanderfallen der Bewegung zu verhindern, ist es notwendig, sich bezüglich der ökonomischen Vorstellungen und Entwicklungen Klarheit zu verschaffen. Dazu sind aber eigene Anstrengungen notwendig, da sich die „etablierte“ Ökonomie mit den für uns relevanten Fragestellungen nicht, oder von unseren Interessen abweichend beschäftigt. Lesen Sie weiter

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