366 x grün

Weblog des Grünen Archivs zur Geschichte der Grünen und Alternativen in Österreich

Schlagwort: Arbeitskreis Christen und Grüne

220/366: ChristInnen und Grüne – wie geht das zusammen?

ChristInnen und Grüne - wie geht das zusammen?

„Sind Religionen und Politik nur Gegensätze, die einander berühren oder können sie gemeinsam wirken?“

„Die ‚andere Politik‘, die ‚andere politische Kultur‘, die von den Grün- und Alternativbewegten primär gefordert wird, decken sich in vieler Hinsicht mit jenen Forderungen, die in den Evangelien und den Apostelbriefen von den ‚Brüdern und Schwestern‘ eingemahnt werden“. Rudolf Sablattnig stellt in seinem Beitrag „ChristInnen und Grüne – wie geht das zusammen?“ einen Vergleich zwischen den urchristlichen Gemeinden bzw. heutigen Laienbewegungen und der Grün- und Alternativbewegung an.

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ChristInnen und Grüne – Wie geht das zusammen?

Sind Religionen und Politik nur Gegensätze, die einander berühren oder können sie gemeinsam wirken?

Wenn von Christentum und Politik die Rede ist und die beiden Begriffe in unserer Zeit eher als Gegensätze empfunden werden, so liegt das vor allem daran, daß Christentum immer mit den christlichen Amtskirchen gleichgesetzt wird. Die Geschichte zeigt, daß zwischen weltlicher und geistlicher Herrschaft wechselnd einmal volle Übereinstimmung, zum anderen Todfeindschaft im wahrsten Sinne des Wortes herrschte. Übereinstimmung, wie bei den Kreuzzügen, in der missionarischen Kolonialisierung, in der „Ketzer-“ und Hexenbekämpfung, Feindschaft im Investiturstreit, in den verschiedenen „Kulturkämpfen“. Der Begriff „Geistliche Herrschaft“ bezeichnet auch heute noch genau das, worum es im Verhältnis von Politik und Amtskirche geht. Und dabei stellt sich mehr und mehr heraus, daß insbesondere jene politischen Parteien, die plakativ das „Christlich“ in ihrem Namen führen, aber auch jene die das „Christliche“ in den Vordergrund stellen, immer weniger und weniger mit den Grundwerten des Christentums – gleich welcher amtskirchlichen Konfession – zu tun haben.

Eine Amtskirche, die sich in massiver und mitunter geradezu verleumderischer Weise (man denke an die Aussagen von Erzbischof Eder über Bischof Kräutler) über Mitbrüder, über die Befreiungstheologie, über Basisgemeinden äußert, hat mit den christlichen Grundwerten, mit dem Christentum der Evangelien nur wenig mehr gemein, als den – man könnte fast sagen – usurpierten Namen.

Konsens über Grundwerte

Nun zeigt sich aber, daß es sowohl in der katholischen, als auch in den evangelischen Kirchen gerade die – vorwiegend von Frauen getragenen – Laienbewegungen sind, die diese „evangelischen Urwerte“ des Christentums wieder in den Mittelpunkt gestellt sehen wollen. Wenn wir nun an die Anfänge der Grün- und Alternativbewegungen zurückdenken, dann zeigt sich, wie weit hier mit diesen Laienbewegungen, mit den Basisgemeinden Konsens über Grundwerte herrscht.

Die „andere Politik“, die „andere politische Kultur“, die von den Grün- und Alternativbewegten primär gefordert wird, decken sich in vieler Hinsicht mit jenen Forderungen, die in den Evangelien und den Apostelbriefen von den „Brüdern und Schwestern“ eingemahnt werden.
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208/366: Günther Nenning und das verflixte Religiöse

Grün-Alternative Zeitung GAZ vom November 1992.

Grün-Alternative Zeitung GAZ vom Dezember 1992 mit Themenschwerpunkt Religion.

„Das Grüne ist tatsächlich eine religiöse Bewegung, und insofern reicht sie übers Politische hinaus. Bei Grüngegnern ist dies ein Gegenstand des Spottes, es ist aber ein Ehrentitel“, schrieb Günther Nenning im Dezember 1992 in einem sicher kontroversen Beitrag für die Grün-Alternative Zeitung GAZ.

In dieser „Weihnachtsausgabe“ sind außerdem Beiträge über die Theologie der Befreiung in Lateinamerika, Eugen Drewermann, die Frage „ChristInnen und Grüne – wie geht das zusammen?“ und den Arbeitskreis ChristInnen und Grüne erschienen.


Das verflixte Religiöse

Günther Nenning über osmotische Prozesse

// Überall wo Grüne auftreten, stehen sie in einem politischen Bündnis mit Kräften, die ideologisch eigentlich nicht zusammenpassen – nicht untereinander und nicht mit den Grünen: Linke (Restsozialisten, Restliberale, Restprogressive). Die aber sind immer für Industriegesellschaft und Naturbeherrschung – die Grünen aber nicht oder nur mit großer Skepsis.

Christen vom progressiven Flügel – die aber denken z.B. in Sachen Abtreibung oft anders als viele Grüne und fast alle Linke.

Das Bündnis Grüne/Linke/Christen ist praktisch, weil es in allen aktuellen Fragen rasch zur Hand ist (z.B. Ausländerfrage). Ohne dieses Bündnis wären die Grünen weniger wirksam.

Es ist auch eine fruchtbare Spannung drin. In der praktischen Zusammenarbeit ideologisch verschiedener Partner lernt man voneinander. Es kommt zu osmotischen Prozessen.

Die Grünen, die zum Nichts-als-Grünen neigen, kriegen von ihren „linken“ Partnern sozialpolitische Impulse. Von den Christen kriegen die Grünen Impulse in Sachen Abtreibung. („Kann ich für die Frösche in der Au sein, wenn ich nicht für die Frösche im Mutterleib bin“, formulierte ich seinerzeit nach Hainburg.)

Der Nachteil dieser nun schon selbstverständlichen Dreierkoalition Grüne/Linke/Christen ist, daß sie so schmal ist. Sie läßt große Gruppen draußen, die für das Vorwärtskommen in grünen Fragen entscheidend sein können und insofern dazugehören: grüne Rote, die aber nicht links sind (Rotkonservative); grüne Schwarze, die aber nicht christlich-progressiv sind, sondern ÖVP- oder Krenn-Menschen; grüne Blaue, die aber nicht braun sind oder nur hellbraun. Ich bin sehr für dieses erweiterte Grünbündnis (Pilz-Koalition), aber es wäre ja närrisch, deswegen die bewährte Grüne/Linke Christen-Koalition fahren zu lassen. Lesen Sie weiter

105/366: erstes Treffen des Arbeitskreises Christen und Grüne

Logo des Arbeitskreises Christen und Grüne.

Logo des Arbeitskreises Christen und Grüne.

„Der verstaubt-konservative, geistig vor dem 2. Vatikanischen Konzil stehengebliebene Kurs von Teilen der österreichischen Amtskirche (Krenn, Groer) macht es für kritische, aufgeschlossene Christinnen und Christen zunehmend schwieriger, sich einzubringen. Viele dieser Menschen sehen Berührungspunkte zur Grünbewegung: bei den Idealen des Ur-Christentums, in Franz von Assisis Beziehung zur Natur, bei der ‚Theologie der Befreiung‚“, so heißt es in der Einladung zum ersten Treffen des Arbeitskreises „Christen und Grüne“, das am 8. Jänner 1988 im Büro der Grünen Bildungswerkstatt in Wien stattfand. Hier das Protokoll dieses ersten Treffens, geführt von Gerhard Jordan.


// Beim Gründungstreffen am 8. Jänner (Anwesend: Niki von BERINGE, Andrea BINDER, Davorin JAMBOR, Gerhard JORDAN, Alois KINAST, Leopold KRÖLL, Richard MEDEK, Fam.NEMESTOTHY, Günther NENNING, Kurt VALLASTER, Hannelore WEBER) herrschte mehrheitlich die Meinung vor, der Arbeitskreis „Christen und Grüne“ (Arbeitstitel) solle öffentlich mit Veranstaltungen auftreten, auch zum bevorstehenden Papstbesuch im Juni (wobei es verschiedene Ansichten über die Art dieses Auftretens gab).
Als Themen, die behandelt werden sollten, wurden genannt:

  • Entwicklungspolitik aus christlicher Sicht
  • Ethische Aspekte der Genforschung
  • Evolution und Christentum
  • Fundamentalismus (in Christentum, Islam und Judentum)
  • Gewaltfreiheit im Neuen Testament
  • Katholischer Antisemitismus und seine Wurzeln
  • Kirchenaustritt – Für und Wider
  • Kirche und Atomenergie
  • Kirche und Rüstungsproduktion
  • „Macht Euch die Erde untertan“? – Stellung der Christen zur Natur
  • Theologie der Befreiung

Als Aktivitäten, die der Arbeitskreis setzen könnte, wurden vorgeschlagen: Podiumsdiskussionen, Gespräche mit Vertretern der „Amtskirche“, mit Vertretern marxistischer Theorien usw., Auftreten beim Papstbesuch, Dokumentation fortschrittlicher Stellungnahmen aus kirchlichen Kreisen, Informationsaustausch mit der deutschen Bundesarbeitsgemeinschaft „Christen bei den Grünen„, kritische Aktionen anläßlich der Stephansdomerhaltungs-Sammlung, usw.

Zeitschriften, in denen interessante Artikel zu finden sind: „Furche“, „Kirche Intern“ (Forum „Kirche ist GeMeinschaft“), „Kommentar:‘ (ACUS), „Kritisches Christentum“ (AKC), „KSÖ-Nachrichten“ (Katholische Sozialakademie), „Präsent“ (Innsbruck), „Publik Forum“ (BRD), „SCA-Info“ , (Sammlung Christlicher Alternativen), „SOG-Info“ (Solidaritätsgruppe engagierter Christen in Österreich), “Versöhnung“ (Versöhnungsbund), „Wendekreis“ (Dornbirn), „Wiener Blätter“ (KHG) und diverse Zeitschriften aus dem Bereich der Katholischen Jugend. //

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