366 x grün

Weblog des Grünen Archivs zur Geschichte der Grünen und Alternativen in Österreich

Kategorie: Zur Sache

Sachbegriffe aus der Grünen Geschichte – von Alternativbewegung bis Zwentendorf

318/366: Mit Kapuzenpulli bei der Angelobung

1991 initiierten die grünen Nationalratsabgeordneten ein Volksbegehren für eine Volksabstimmung über einen Beitritt Österreichs zum Europäischen Wirtschaftsraum

Julian Schmid und Monika Bargmann bei der Übergabe.

Das Deutsche Ledermuseum hat die Turnschuhe von Joschka Fischer, wir haben den Kapuzenpulli von Julian Schmid! Unser jüngster Parlamentarier brachte uns dieses Kleidungsstück für unsere Textilsammlung.

Warum ist der Pullover überhaupt von Bedeutung? Er ging durch die Medien. Der ÖVP-Abgeordnete und Arzt Erwin Rasinger hatte in einem Interview mit dem „Kurier“ Kritik an der beruflichen Adjustierung Schmids geübt:

Der Grüne Julian Schmid sitzt mit Trainingsanzug und Turnschuhen im Plenum. Ich habe anfangs gedacht, das sei ein fehlgeleiteter Parlamentsmitarbeiter. Ich ordiniere ja auch nicht im Ruderleiberl.

Auch der NEOS-Klubvorsitzende Matthias Strolz wurde von Rasinger gerügt – ob seiner Krawattenlosigkeit.

Der „Kurier“ schoss ein Doppel-Interview nach, in dem Schmid die Vorwürfe so kommentierte:

Mehr Würde im Parlament schafft man nicht durch einen Dresscode. Ich stamme aus Kärnten, und die Hypo-Milliarden sind von Männern im feinsten Anzug versenkt worden.

 

39/366: Wer den Basiswappler erfunden hat

In einem grünen ABC darf der „Basiswappler“ natürlich nicht fehlen. Aber woher kommt der Begriff? Robert Sedlaczek, Journalist und Experte für die österreichische Varietät der deutschen Sprache, geht in seinem am 8. März 2011 in der Wiener Zeitung veröffentlichten Artikel der Frage nach, „wer den Basiswappler erfunden hat“. Ricola war’s jedenfalls nicht…

Der Artikel wird mit freundlicher Genehmigung der Chefredaktion der Wiener Zeitung und des Autors hier veröffentlicht, für die wir uns sehr herzlich bedanken. Wir erlauben uns dafür den dezenten Hinweis, dass man die Wiener Zeitung abonnieren und Sedlaczeks Bücher kaufen kann 🙂


//zitat// Thomas Maurer hat ein neues Programm, es löst bei Publikum und Kritik Beifallsstürme aus. Für uns soll das ein Anlass sein, ein gut gehütetes Geheimnis zu lüften.

Von wem stammt eigentlich das Wort Basiswappler? Wenn Zeitungen den Ausdruck gebrauchen, fügen sie meist einen scherzhaften Vermerk hinzu: © Karl Öllinger. Gemeint ist der Sozialsprecher der Grünen. Oft wird auch noch darauf hingewiesen, dass sich dieser einst selbst als Basiswappler bezeichnet hat. Aber warum eigentlich? Was war der Anlass?

Ich wollte der Sache auf den Grund gehen. Oft sind solche Behauptungen ja hartnäckige Legenden. Sie tauchen wie eine Zeitungsente immer wieder auf. Beim näheren Hinsehen ist dann nichts Wahres dran.

Erste Station der Recherche: Karl Öllinger. Ich will wissen, in welchem Zusammenhang er den Ausdruck erstmals verwendet hat. Am Telefon erzählt mir der Nationalratsabgeordnete, wie es dazu gekommen ist.

Die Grünen standen mitten im Nationalratswahlkampf 1994. Sie hatten sich vorgenommen, einen witzigen Werbespot zu drehen. Schon von der Machart her sollte er ganz anders sein als die Belangsendungen der Großparteien. „Der Kabarettist Thomas Maurer hat uns dabei geholfen. Wir sind am Vorabend beisammengesessen und haben Witze gemacht. Es war ein großer Spaß.“ Den Grünen ist es damals darum gegangen, die platitüdenhafte Berichterstattung in den Medien zu persiflieren. Lesen Sie weiter

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