366 x grün

Weblog des Grünen Archivs zur Geschichte der Grünen und Alternativen in Österreich

Kategorie: Archiv-Fundstuecke (Seite 1 von 8)

Fundstücke aus dem Grünen Archiv und anderen Archiven

361/366: Im Garten von Frau Slama hat die Wende begonnen

Die „Meilensteine des Widerstandes“ gegen die B3 fasst dieses Flugblatt des grünen Rathausklubs in Wien zusammen – die erwähnte Frau (Maria) Slama war eine engagierte Kleingärtnerin.


B3 vorbei? Flugblatt der Floridsdorfer Grünen (Grünes Archiv, Archiv Gerhard Jordan)

B3 vorbei? Flugblatt des grünen Rathausklubs (Grünes Archiv, Archiv Gerhard Jordan)

23. Februar 1973: Der Wiener Gemeinderat beschließt den Flächenwidmungsplan Nr. 5212, der eine neue Trasse der B3 zwischen Brünnerstraße und Donaufelderstraße, quer durch eine Kleingartenanlage, enthält.

Ab 1983: Der erste Widerstand von Bürgerinnen – zunächst getragen vom Kleingartenverein Donaufeld und der Hausgemeinschaft der neuen Wohnanlage Töllergasse 42 – beginnt mit Briefwechseln und Vorsprachen bei Politikern.

1987: In der Donaustadt, nahe der Bezirksgrenze zu Floridsdorf, entsteht die „Siedlergemeinschaft gegen die B3″.

13. April 1989: Das Wirtschaftsministerium verordnet laut §4 Bundesstraßengesetz den neuen Verlauf der B3.

19. JULI 1989: Erster öffentlicher „Lokalaugenschein“ von B3-Gegnerinnen (weitere finden u.a.1991,1992 und 1996 statt). 1989/91: Anträge von Grün – Bezirksrat Gerhard Jordan in der Floridsdorfer Bezirksvertretung auf Verkehrsberuhigung des Bezirkszentrums ohne Bau neuer Straßen, auf Einführung eines Durchfahrverbots für LKW mit über 3,5 Tonnen Gewicht in den Straßenzügen Hermann-Bahr-Straße, Angererstraße und Patrizi-gasse sowie auf ein Überdenken der B3 wegen der geplanten Stadterweiterung im Donaufeld werden von SPÖ, ÖVP und FPÖ abgelehnt.

30. November 1992: Eröffnung des vierspurigen B3 – Teilstücks zwischen Brünnerstraße und Leopoldauerstraße. Am Rande demonstrieren Bürgerinnern gegen den Weiterbau.

B3 - Meilensteine des Widerstandes.

B3 – Meilensteine des Widerstandes.

26. Februar 1993: Im „Bürgerforum Floridsdorf / Donaustadt STOPPT DIE B3!“ schließen sich der Kleingartenverein Donaufeld, die Hausgemeinschaft Töllergasse 42, der Siedlerverein „Edelsteinsiedlung“ (alle 21. Bezirk) und die Siedlergemeinschaft gegen die B3 (22. Bezirk) zusammen. Später kommen dazu: die Wohnanlage Satzingerweg 49 (bezogen 1995) und Carminweg 6 (bezogen 1997) im 21. und die „Vienna International School“ im 22. Bezirk.

1. Juli 1993: Demonstration gegen die B3 von der U1-Endstelle Kargan zum Donaustädter Amtshaus (Kundgebungen bzw. Feste finden auch am 24. September 1993 im Gasthaus Paireder, am 15. April 1994 beim Rathaus und am 2. Oktober 1996 auf dem Franz-Jonas-Platz statt). Lesen Sie weiter

357/366: Ein Fest für Madeleine. Nationalratswahl 1994

Einladung zum Fest für Madeleine (1994)

Einladung zum Fest für Madeleine (1994)

Ein Fundstück aus dem Nationalratswahlkampf 1994. Spitzenkandidatin war Madeleine Petrovic.


Um die Wahlvorfreude zu genießen, bitte ich zum Fest für Madeleine. Wir werden unser Bestes geben. Unser Tiroler Klubobmann wird vierstimmig singen, die Untouchables werden musizieren und ich werde in einer hübschen Laudatio die längst erwartete Wahlempfehlung abgeben. Dazwischen werden Nationalratskandidaten Häppchen reichen.

Peter Pilz, Bundessprecher

Ein Fest für Madeleine

Donnerstag, 6. Oktober 1994, 20.00 Uhr
Aera, Gonzagagasse 11, 1010 Wien

The Untouchables  Georg & Die Melody Boys  und Überraschungsgäste

Diese Einladung ist Ihre persönliche Eintrittskarte für zwei Personen und daher bitte mitzubringen.

356/366: Wenn Grüne eine Baustelle besichtigen

Als zwei grüne Gemeinderät_innen aus Wien die Baustelle der Staustufe Freudenau, eines Donaukraftwerks, besichtigen wollten, stießen sie auf unerwartete Hindernisse… Ein Bericht aus der Zeitschrift „Impuls grün“.


Begleitete Exkursion auf eine Baustelle.

Begleitete Exkursion auf eine Baustelle.

Äußerst fürsorglich von Weißen Mäusen bewacht begann eine Exkursion, welche die beiden GA-Gemeinderäte [Hannelore] Weber und [Günter] Kenesei gemeinsam mit Wissenschaftlern zur Baustelle der Staustufe Freudenau führte. Ziel des Ausflugs sollte das Aufzeigen der Bedrohung diverser Tier- und Pflanzenarten durch den Kraftwerksbau sein. Das an sich noch öffentliche Gebiet war jedoch bereits mit Bauzaun und Männern der Wach- und Schließgesellschaft abgesichert worden, die der Gruppe das Betreten des Geländes verweigerten. Auch die Fähre zur Donauinsel erwies sich plötzlich als „eingestellt.“ Selbst dem Klubjuristen der Grünen wurde der Zutritt gewaltsam verwehrt.

Diese vorsorglichen Maßnahmen der „Donaukraft„, die anscheinend ein zweites Hainburg verhindern will, wurden von den anwesenden Journalisten mit Verwunderung verfolgt. Zur begleitenden Aktion der Polizei meinte Präsident Bögl sichtlich verärgert: „Ich habe das nicht angeordnet, ich bin fuchsteufelswild!“

355/366: Alles Recht geht vom Volk aus…

„Alles Recht geht vom Volk aus, aber es kehrt nicht zu ihm zurück“, schrieben Günter Schobesberger und Monika Langthaler in der Zeitschrift „Impuls grün“. Betrachtungen über Mitspracherechte und Direkte Demokratie.


Günter Schobesberger: Alles Recht geht vom Volk aus...

Günter Schobesberger: Alles Recht geht vom Volk aus…

Alles Recht geht vom Volk aus…

von Günter Schobesberger

Niemand in Österreich ist wirklich rechtlos. Es gibt aber, was den Zugang aller zum Recht betrifft, so vielfältige Ungleichheiten, daß wir unsere Rechtsordnung weder als gerecht noch als demokratisch bezeichnen können.

Viele Mitspracherechte sind käuflich. Sie sind mit Sachen meist so verbunden, daß man Eigentümer oder Besitzer dieser Sachen sein muß, um in verwaltungsrechtlichen Bewilligungsverfahren Einwendungen machen zu dürfen. Als Parteienrecht ist diese Form der Mitsprache nur etwas für Besitzende.

Dazu ein Beispiel. Im wasserrechtlichen Bewilligungsverfahren für das Kraftwerk Hainburg konnten nur die etwas vorbringen bzw. einwenden, die im fraglichen Gebiet ein Wasserrecht besaßen. Das taten drei Bauern, die dort Brunnen haben. Sie waren als Parteien im Verfahren übergangen worden. Als ihre Einwendungen und Berufungen mit negativen Bescheiden von der Behörde abgewiesen wurden, brachten sie beim Verwaltungsgerichtshof eine Beschwerde ein. Trotzdem hat es die Aubesetzung gebraucht, daß das Kraftwerk nicht gebaut wurde, und die drei Bauern zu ihrem Recht kamen. Gerechtigkeit war in diesem Fall also auch eine Frage der Zeit, weil die Baumaschinen der DoKW ohne Behinderung geschwinder gewesen wären als die Richter des Verwaltungsgerichtshofes.

Diese Form der Mitsprache auf dem Amtsweg durch Einwendungen, Berufungen, Stellungnahmen und Anträge kostet außer Bundesstempelmarken praktisch nichts. Dagegen sind Beschwerden beim Verwaltungsgerichtshof, die nur von Rechtsanwälten eingebracht werden können, sehr teuer, und in letzter Konsequenz ist auch so eine Bürgerbeteiligung nur etwas für Leute mit Geld. Vor Amt können Besitzende eine öffentliche Sache zu ihrer eigenen machen und den verfassungsrechtlichen Schutz des Eigentums auch für Zwecke der Bürgerbeteiligung nutzen. Das Kaufen eines Stückes Land kann so zu einer wichtigen politischen Aktion werden, und „Schutzkäufe“ hat es deshalb schon immer gegeben. Wer nichts besitzt und trotzdem in öffentlichen Angelegenheiten mitsprechen möchte, ist in Österreich auf die Grundrechte und Mittel der direkten Demokratie angewiesen. Lesen Sie weiter

353/366: Das Freda-Straßen-Fest. Bundespräsidentschaftswahl 1986

Heute zeigen wir ein Fundstück aus dem Bundespräsidentschaftswahlkampf 1986, als Freda Meissner-Blau kandidierte – eine Einladung zu den Veranstaltungen zum Abschluss des Wahlkampfes verbunden mit einem Spendenaufruf.

Einladung zum Freda-Straßen-Fest.

Einladung zum Freda-Straßen-Fest.


Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Aktivistinnen und Aktivisten, liebe „Selbstbesteuerer“, Spenderinnen und Spender, liebes Personenkomitee!

Die Wahlbewegung neigt sich dem Ende zu, die Hauptarbeit ist getan. Ihr alle werdet maßgeblichen Anteil daran haben, wenn Freda – trotz aller Querschüsse – am 4. Mai einen schönen Erfolg erzielt.

Wir laden Euch herzlich zu unseren letzten Veranstaltungen ein:

Donnerstag, 1. Mai 1986, ab 16.00 Uhr -„Freda-Straßen-Fest“
Ein Nachmittag voll lustiger Aktionen, Kultur und Information mit Peter Turrini, Marie Therese Escribano, Erika Molny u.a.m. Lesungen, Kabarett, Clownerien, Straßenmusik und Graffiti für Kinder und Erwachsene

Freitag, 2. Mai 1986, 11.00 Uhr – „Ausflug in den Wienerwald“
Freda und viele Freundinnen und Freunde, die mit Sonderzügen aus allen Bundesländern anreisen, machen einen Spaziergang mit anschliessendem Heurigenbesuch.
Treffpunkt: 11.00 Uhr bei der Endstation der Linie 60, Rodaun.
15.00 – 18.00 Uhr Bio-Heuriger Ernst Mohrenberger, Perchtoldsdorf, Elisabethstraße 1

Sonntag, 4. Mai 1986, ab 10.00 Uhr Open House in unserem Büro  in Wien I, Schottengasse 3a, Stiege 5, Tür 19.

Bitte um Spenden für die Bundespräsidentschaftwahl.

Bitte um Spenden für die Bundespräsidentschaftwahl.

Das Büroteam und Freda Meissner-Blau hoffen auf Euer Kommen !

Eine Bitte haben wir noch: Der Spendenfluß hat in den letzten Wochen spürbar nachgelassen. Wir brauchen ziemlich dringend Geld, um die offenen Rechnungen bezahlen zu können. Deshalb bitte im Bekanntenkreis sammeln, den beiliegenden Erlagschein beachten..

Letzte Information: Die Wahl wird laut Meinungsforschern von jenen entschieden, die nicht hingehen oder weiß wählen. Je weniger gültige Stimmen, desto billiger wird die absolute Mehrheit für einen Parteikandidaten. Aus eigener Kraft schafft bei hoher Wahlbeteiligung keiner die absolute Mehrheit im 1. Wahlgang.

Die angekündigte Text-Mappe ist nunmehr fertiggestellt und beziehbar (Unkostenbeitrag S 50,-). Rechtzeitig vor der Wahl erscheint eine Broschüre über die Verleihung der Naturschutzpreise 1975 bis 1985, verfaßt und herausgegeben von Doz.Dr. Bernd Lötsch. Auch diese Broschüre kann bei uns angefordert werden (S 60,-).

Bis zum 1., 2. oder 4. Mai verbleiben wir
Büro Freda Meissner-Blau
Wien, am 24. April 1986

Spendenkonten lautend auf Treuhänder Dr. Friedrich Weber, Rechtsanwalt

351/366: Medienfreiheit. Wie man sich eine Gesetzesnovelle bestellt

Am 25. September 1996 veranstalteten die Grünen das Hearing „Medienfreiheit in Österreich“ im Budgetsaal des Parlaments. Wir bringen heute den Beitrag „Dichands Ausnahme. Wie man sich in Österreich eine Gesetzesnovelle bestellt“ von Karl Öllinger, Nationalratsabgeordneter und Sozialsprecher.


Dokumentation des ersten Hearings zur Medienfreiheit in Österreich.

Dokumentation des ersten Hearings zur Medienfreiheit in Österreich.

Kurz vor der Budgetausschußberatung erhielt ich einen Eilbrief von Herrn Dichand. Er forderte mich auf zu bedenken, daß eine Werkvertragsregelung für Kolporteure eine Gefährdung der Pressefreiheit mit sich brächte, und daß es auch auf meine Stimme ankäme, um die Pressefreiheit in Österreich zu sichern.

Ich wollte mit dem Antwortschreiben die nächste Sitzung abwarten, um eventuelle Veränderungen oder Neuerungen berücksichtigen zu können. Üblicherweise geben im Budgetausschuß die Sprecher aller Parteien ihre Erklärungen zu den jeweils aktuellen Themen ab. Es fiel auf, daß außer mir niemand etwas zu den Werkvertragsregelungen bzw. zu dem Dichand-Brief zu sagen hatte. Ich erklärte, daß ich diesen Brief erhalten hatte, gab meiner Meinung dazu Ausdruck und forderte alle Anwesenden auf, ihre Meinungen kund zu tun.

Mir war unklar, ob und wie sehr dieser Brief für die Entscheidung innerhalb der anderen Parteien eine Bedeutung haben würde. Das Liberale Forum boykottierte zu diesem Zeitpunkt die gesamten Budgetberatungen, weshalb keine Vertreter im Ausschuß zugegen waren. Die Sitzung endete ohne jedwede Reaktion der anderen Parteienvertreter.

Am selben Nachmittag fragte mich ein Journalist, was es mit der Abänderung der Werkvertragsregelung, laut der die Kolporteure ausgenommen seien, auf sich habe. Ich konnte ihn nur darüber informieren, daß eine derartige Abänderung im Ausschuß nicht zur Sprache gekommen war. Tags darauf, als abgestimmt werden sollte, fand ich tatsächlich den kleinen Passus — „Abänderung der Werkvertragsregelung“ — in den Unterlagen, der mir nur aufgrund der Informationen des Journalisten aufgefallen war.

Bei der Abstimmung wurde die Abänderung mit keiner Silbe erwähnt und es wurde auch nicht darüber diskutiert, dieser Passus wurde „hineingeschmuggelt“, mit der Absicht, Kolporteure auszunehmen. Dies gelang jedoch nicht sofort. Die Ausnahmeregelung wurde offensichtlich so schnell und schlampig entworfen und in das Gesetz hineinreklamiert, daß sie der Mediaprint nicht paßte. Mit der Folge, daß im Plenum über einen Abänderungsantrag zum Abänderungsantrag abgestimmt wurde, um eine präzise Mediaprint-Ausnahmeregelung zu garantieren. Vor dieser Plenumsabstimmung erfuhr ich, daß weder die erste noch die zweite Abänderung auf Wunsch des Sozialministeriums, sondern auf höchste Anordnung hin (Bundeskanzler) erfolgt war. Es war bereits abzusehen, daß diese Regelung mit relativer Sicherheit als verfassungswidrig gelten wird, was auch den Beamten des Ministeriums klar ist. Lesen Sie weiter

349/366: Alternative Universität zum „Sinn von Arbeit“

Der Beitrag über die Alternative Universität erschien in der Broschüre "10 Jahre Grüne Bildungswerkstatt" (1996)

Der Beitrag über die Alternative Universität erschien in der Broschüre „10 Jahre Grüne Bildungswerkstatt“ (1996)

„Arbeit scheint die Funktion der Orientierung und Sinngebung für eine größer werdende Anzahl von Menschen nicht mehr erfüllen zu können. Ist der Sinn nur mehr ‚Unsinn‘, kann Arbeit wieder versinnlicht werden, und wenn ja, an welchen Kriterien muß sich sinnvolle Arbeit ausrichten?“ Die Alternative Universität Graz, ein Bildungsprojekt der Grünen Akademie Steiermark, widmete sich 1995 dem „Sinn von Arbeit“. Ein Bericht dazu erschien in der Broschüre „10 Jahre Grüne Bildungswerkstatt“ (1996).


Die AUG behandelte den „Sinn von Arbeit“. Dies hatte zwei Gründe: Einerseits hieß das Schwerpunktthema der Grünen Bildungswerkstatt Bund für das Jahr 1995 „Arbeitswelten – Lebenswelten“, und die Grüne Akademie wollte zu dieser Thematik aktiv werden. Andererseits ergab sich aus den inhaltlichen Diskussionen innerhalb der Grünen Akademie in der Folge der ersten drei AUGs, daß in der zeitgenössischen Gesellschaft Phänomene der Orientierungslosigkeit zu beobachten sind. Da unsere Gesellschaft auch als Arbeitsgesellschaft bezeichnet wird, für die meisten Menschen also primär Arbeit Orientierung schafft, muß hier etwas faul sein. Arbeit scheint, eben diese Funktion der Orientierung und Sinngebung für eine größer werdende Anzahl von Menschen nicht mehr erfüllen zu können. Ist der Sinn nur mehr „Unsinn“, kann Arbeit wieder versinnlicht werden, und wenn ja, an welchen Kriterien muß sich sinnvolle Arbeit ausrichten? Lesen Sie weiter

336/366: Der Tiroler Landtag lernt Demokratie

Eva Lichtenberger über die Arbeit im Tiroler Landtag.

Eva Lichtenberger über die Arbeit im Tiroler Landtag.

„Neben unserer extrem patriarchalen und obrigkeitsstaatlichen Unkultur“ habe sich in Tirol „eine Kultur starker und selbstbewußter Bürgerinitiativen“ entwickelt, stellte Eva Lichtenberger im Jahr 1990 fest. Lichtenberger war damals die Klubobfrau der Grünen im Tiroler Landtag. In einem Beitrag für die Zeitschrift Impuls Grün kommentierte sie unter anderem die Geschäftsordnung, die den kleinen Fraktionen die Arbeit erschwerte.


Der Tiroler Landtag hat eine sehr rigide Geschäftsordnung, zugeschnitten auf einen Landesvater und seine Vasallen, die dem Landtag die Rolle des Claqueurs der höchstselbstigen Entscheidungen zuweist. Es gilt zwar laut Landesordnung das Frage- und Antragsrecht für einen Abgeordneten, aber mit der Einschränkung, daß dieser weitere drei unterstützende Unterschriften haben muß. Dies führt dazu, daß kleine Fraktionen „betteln“ gehen müssen, um ein Thema überhaupt zur Diskussion bringen zu können. Ein weiteres Beispiel: Da wird von einem hohen Landesbeamten im Obleuterat (der Landes-Präsidiale) ganz offen von „beschränkten Mitwirkungsrechten der Abgeordneten an der Gesetzeswerdung“ ins Protokoll diktiert. Und da gibt es im Landtag selbst die „Klubdisziplin“ der ÖVP, die die einzelnen Bünde immer wieder zwingt, gegen die Interessen der eigenen Basis zu stimmen.

Daneben hat sich aber neben unserer extrem patriarchalen und obrigkeitsstaatlichen Unkultur eine Kultur starker und selbstbewußter Bürgerinitiativen entwickelt, die auf ihren demokratischen Rechten beharren. Sie setzten die traditionellen Parteien im „Heiligen Land“ ganz schön unter Druck, vor allem in den Bereichen Verkehr und Müll. Lesen Sie weiter

334/366: BaGru GeWi – seit 1985 in der ÖH-Exekutive

In einem Sonderheft zur ÖH-Wahl 1993 werden verschiedene GRAS-Gruppen – von der Linken Alternative Basisliste (LIAB) bis zur Basisgruppe Medizin – vorgestellt. Heute im Blog: die Basisgruppenliste Geisteswissenschaften, kurz BaGru GeWi.


Selbstdarstellung der BaGru GeWi vom Frühjahr 1993.

Beitrag über die BaGru GeWi 1993.

Seit ’85 in der Exekutive

Als kandidierende Liste will die BaGru GeWi weiterhin zwischen den aktiven Menschen und Gruppierungen sowie den ÖH-Strukturen vermitteln.

Die Basisgruppenliste-Gewi (vulgo BaGru) ist seit 1985 die stimmenstärkste Fraktion in der Fakultätsvertretung Geisteswissenschaften und stellte auch fast immer den/die Vorsitzende/n, so auch in den letzten zwei Jahren. Es gibt bei uns keine offizielle Mitgliedschaft und keine Hierarchie. Die KandidatInnenliste bei den Wahlen ist für uns nur formale Pflicht. BaGru sind einfach all die, die sich ihr nach den Grundprinzipien „offen, unabhängig und basisnahe“, definieren, der BaGru angehörig fühlen und diese Schlagworte auch „praktizieren“. BaGru sozusagen als Anti-Fraktion.

Offenes Forum und Plenum

Offen bedeutet, daß es hier in der GeWi, seit die BaGru die Exekutive mitstellt, ein Forum gibt, wo jedeR GeWi-Studierende kommen und die GeWi-Politik mitbestimmen kann — das GeWi-Plenum. Hier werden alle anfallenden Probleme besprochen, Arbeiten aufgeteilt, Aktionen geplant. Wer auch immer ein Anliegen hat, (z.B. die Unterstützung eines Projekts mit ein paar Tausend Schilling) kann dies beim Plenum vorbringen. Die MandatarInnen der BaGru und der Koalition verpflichten sich, alle beim Plenum gefällten Beschlüsse in den Fakultätsvertretungssitzungen zu exekutieren.

Ein offenes Medium ist auch die GeZeit, die GeWi-Zeitung, die vierteljährlich erscheint. JedeR, der/die Lust hat, kann hier seinen/ihren kritischen Kugelschreiber erheben. Ein offenes Redaktionsteam entscheidet dann, welche Artikel, rechtsextreme, rassistische und frauenfeindliche ausgeschlossen, in der GeZeit erscheinen. Unabhängig heißt, daß wir, die BaGru, uns keiner politischen Partei nahestehend fühlen und auch keine Splitterfraktion irgendeiner Fraktion sind. Wir handeln nach eigenem Wissen und Gewissen — nach Absprache mit dem Plenum. Wir sind eigentlich überhaupt keine Fraktion. Als kandidierende Liste vermittelen wir zwischen den aktiven Menschen und Gruppierungen und den ÖH-Strukturen andererseits. Lesen Sie weiter

332/366: Schreibwettbewerb zum Klimawandel: Die Macht der Zwetschke

Eva Glawischnig (Hrsg.): Die Macht der Zwetschke. Junge Gedanken zum Klimawandel. Wien: Ueberreuter 2008

Eva Glawischnig (Hrsg.): Die Macht der Zwetschke. Junge Gedanken zum Klimawandel. Wien: Ueberreuter 2008

2007 startete Eva Glawischnig, damals dritte Nationalsratspräsidentin, den Schreibwettbewerb [clim-8], bei dem Schülerinnen und Schüler der Oberstufen eingeladen waren, sich mit Klimaschutz und Klimawandel auszueinanderzusetzen. 300 Texte wurden eingereicht. Die Jury mit Johanna Rachinger, Eva Rossmann, Michael Lohmeyer und Helga Kromp-Kolb wählte 25 Arbeiten aus. 2008 erschienen ausgewählte Beiträge im Buch „Die Macht der Zwetschke“, erschienen im Ueberreuter Verlag. Daraus bringen wir einen kleinen Auszug.

Die fünfzehnjährige Grazerin Valerie Pichler formulierte ihre Vision, wie die Steiermark im Jahr 2037 aussieht, so:

Wo einst die gut besuchte Skihütte stand, wo die Leute sagten: „Gitti, gib mir an Glühwein zum Aufwärmen!“, heißt es jetzt: „Gitti, bring ma a Piña Colada“ zum Abkühlen!“.

Ein paar patriotische Steirer singen die Landeshymne: „Hoch vom Dachstein an, wo der Aar …, nein, der Kolibri noch haust…“ Ja, ein Kolibri, denn der Dachstein hat tropische Klimaverhältnisse angenommen und somit den Aar bzw. Adler vertrieben.

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