366 x grün

Weblog des Grünen Archivs zur Geschichte der Grünen und Alternativen in Österreich

Monat: Februar 2016 (Seite 1 von 3)

60/366: „Kompetenz nicht gefragt“. Frauen in der Politik 1990

Die steirische Grünpolitikerin Gundi Kammlander schilderte in ihrem Bericht „Kompetenz nicht gefragt“ ihre Erfahrungen als Frau in der Politik – in der eigenen Partei und mit den anderen Parteien. Der Text erschien 1990 in der Zeitschrift „Impuls grün“. Kammlander, von Beruf technische Zeichnerin, war von 1986 bis 1991 Abgeordnete zum steirischen Landtag als Vertreterin der Alternativen Liste in einem Wahlbündnis mit den Vereinten Grünen.


Gundi Kammlander in Impuls Grün 22/1990. UrheberIn: unbekannt.

Gundi Kammlander in Impuls Grün 22/1990. UrheberIn: unbekannt.

//zitat// AIs grüne Frau in abgeordneter Position ist die Konfrontation von besonderer Art- nicht nur, daß unsere politischen Anliegen meistens über die Forderungen anderer Parteien hinausgehen, haben wir auch einen alternativen Anspruch an den Stil der Aus-Einander-Setzungen. Meine Vorstellung von Mitsprache und Aktivität stieß am Anfang beim Großteil der männlichen Kollegen schlicht auf Unverständnis – Bemerkungen wie „Emanze“ und „arrogante Kuh“ sind Ausdrücke der Mißachtung. Immer noch wird für eine bescheidene und zurückhaltende Rolle applaudiert und eine „potente“ Oppositionshaltung abfällig kommentiert.

Frauen können sich in dieser Situation wieder einmal nicht nach eigenen Vorstellungen präsentieren, sondern müssen reaktiv eine Rolle entwickeln, um auf der politischen „Bühne“ reüssieren zu können. Fest steht, daß die „Inszenierungen“ nur langsam von uns Frauen bestimmt und die „Regieanweisungen“ abgeschüttelt werden. Im Krisenfall weichen Männer neuerdings auf die „Wir-brauchen-die-Frauen“ Beschwichtigungsmethode aus.

Die Grüne Alternative hebt ja mit ihrer Frauen/Männer-Parität den Frauen-Anteil in den Entscheidungsgremien an. Frauen bekommen dadurch Öffentlichkeit und werden vielleicht auch – im besten Fall – von den Medien und Parteigranden zu mutigen Vor-Bildern für eigene Parteifrauen stilisiert. Kommt das Prinzip „Teile-und-Herrsche“ zum Tragen bekommt die zarte Pflanze „Frauen-Solidarität“ den nächsten Knacks.

Es müßte uns demnach gelingen eine unabhängige Frauen-Basis zu schaffen, die frei bleibt von männlichen Einflüsterungen bzw. Einflüssen. Hier sollten wir die Antenne auf Empfang stellen und einen klugen Stil für die tägliche Praxis entwickeln. //zitatende//

59/366: Von Triabstrü über Gschistibohabetschek bis sozusagen. Fritz Zauns Verabschiedung

Fritz Zaun und Eva Glawischnig. Foto: GBW Niederösterreich

Fritz Zaun, erster alternativer Gemeinderat Österreichs, und Bundessprecherin Eva Glawischnig. Foto: GBW Niederösterreich

Fritz Zaun bei seinem Abschied

Fritz Zaun mit seinem Nachfolger Andreas Piringer, Eva Glawischnig, Rudi Püspök und Moderator Herbert Först. Foto: GBW Niederösterreich

„Fritz Zaun mit Eva Glawischnig und Rudi Püspök – ein lockeres Format mit dem Untertitel von Triabstrü über Gschistibohabetschek bis sozusagen – der Polittalk des Jahres“, so wurde die Veranstaltung zur Pensionierung des grün-alternativen „Urgesteins“ Fritz Zaun zurecht angekündigt. Am 29. März 2014 gab es in Baden eine launige Zeitreise mit Ein- und Ausblicken auf das erfüllte politische Leben des Mitbegründers der Grünen Alternative und des ersten Grünen Gemeinderates in Österreich in Baden. Fritz Zaun ist nunmehr Ehrenobmann der Grünen Bildungswerkstatt Niederösterreich.

Die Einladung zum Nachlesen: 059-fritz-zaun-abschied-einladung (PDF, 68 KB)


Übrigens: Ein Interview mit Fritz Zaun und Piet Grusch aus dem Jahr 1982 ist am 25. Jänner 2016 in 366xgruen erschienen. Titel: „Wir müssen uns jetzt einmischen„. Thema: die Gründung der Alternativen Liste Österreich und ihre geplante Kandidatur bei der Nationalratswahl 1983.

58/366: Glawischnig und Petrovic erneut VDBs Stellvertreterinnen

Heute vor zwölf Jahren, am 27. Februar 2004, wählte der Erweiterte Bundesvorstand der Grünen Eva Glawischnig und Madeleine Petrovic erneut zu Stellvertreterinnen von Bundessprecher Alexander Van der Bellen.

57/366: Von Eurokommunisten zu kritischen Christen

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die ersten grünen Abgeordneten, abgebildet in der Broschüre „The green party of Austria“ (Grünes Archiv).

Der Bundesarbeitskreis „Frieden/Internationale Kontakte“ der Grünen Bildungswerkstatt produzierte eine englischsprachige Broschüre, in der Entstehungsgeschichte, Wahlergebnisse und Ausrichtung der Grünen Alternative für ein internationales Publikum dargestellt werden. Erschienen ist sie vermutlich Ende 1988 / Anfang 1989, kann aus den angegebenen Wahlergebnissen und der Adresse des Bundesbüro geschlossen werden.


//zitat// A deficiency of the Austrian Greens is their lack of a detailed and comprehensive programme [das Grundsatzprogramm wurde tatsächlich erst 2001 beschlossen, Wahlprogramme und Programme zu einzelnen Themenbereichen gab es schon vorher, Anm.]. This is partly because of the very heterogeneous composition of „Die Grüne Alternative“ which is the only progressive force in parliament (FPÖ is an oppositional party, too, but it criticizes the government for not being right-wing enough): „Die Grüne Alternative“ comprises „euro-communists“ (people that left KPÖ after the suppression of the „Prague Spring“ in 1968) and Trotskyists (particularly in Vienna), ex-maoists and former SPÖ members as well as people coming from ALÖ, VGÖ and BIP, activists from local groups like „Bürgerliste“ and KEL („Koroška Enotna Lista„, a Carinthian list of the Slovene ethnic group) and critical christians, activists from the Hainburg movement, peace activists and unorganized individuals.

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Broschüre „The green party of Austria“ (Grünes Archiv).

Thus, it’s not easy to find common standpoints on certain questions, for instance the privatization of Austria’s nationalized industry or the relation between parliamentary work and extra-parliamentary action. //zitatende//


 

Die gesamte Broschüre zum Download: 057-green-party-of-austria (PDF, 4 MB)

56/366: Keine Kompromisse im Umweltschutz! Die Paris-Deklaration 1984

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Rainbow politics. Green alternative politics in the European Parliament. Brüssel: The Rainbow Group, Green-Alternative European Link 1988 (Grünes Archiv)

Die „Rainbow Group“ (Regenbogenfraktion) wurde 1984 gegründet und war die zweitkleinste Fraktion im Europäischen Parlament. Sie bestand aus drei sehr heterogenen, voneinander unabhängig agierenden Untergruppen – eine davon war „Green Alternative European Link“ (GRAEL). Die GRAEL bestand aus Parlamentarier_innen bzw. früheren Abgeordneten aus vier Ländern: Deutschland (Die Grünen), Niederlande (Groen-Progressief Akkoord), Belgien (flämische Agalev; wallonische Ecolo) und Italien (Democrazia Proletaria). 1988 erschien die Broschüre „Rainbow politics“, in der die programmatische „Paris Declaration“ vom 28. April 1984 abgedruckt ist. Werfen wir einen Blick in die europäische Grünpolitik vor dem Beitritt Österreichs.


//zitat// Our common commitment to a new, neutral, decentralized Europe made up of self-administering regions, each maintaining its own cultural individuality, is based on the following points:

  • We are against the deployment of nuclear missiles in Eastern and Western Europe. We are in favour of complete disarmament and the dissolution of military and power blocs.
  • We are in favour of a no-compromise policy on the environment so as to safeguard the ecological balance. We are against pollution of the air, the water and the soil and against the destruction of nature and the countryside through reckless urbanization.
  • We stand for equal rights for women in all areas of society.
  • We demand action against unemployment and social security cuts, in the interests of employees and consumers, as part of an economic policy and a policy on employment and social benefits.
  • Policy towards the Third World must be based on a position of equality with the population of the Third World; we stand for a reorganization of economic relations between Europe and the Third World and for closer cooperation between European solidarity movements and the movements of the Third World.
  • We are in favour of the free exercise of fundamental civil rights as one of the most important preconditions of an emancipated society which safeguards the ecological balance.
  • We advocate an ecological form of agriculture with which we would like to further the existence of small and medium-sized farms.

//zitatende//


Zum Weiterlesen: Elizabeth Bomberg: Green parties and politics in the European Union. London [u.a.]: Routledge 1998

55/366: Streifzug durchs Menü – Grüne Bildungswerkstatt Wien 1990

055-gbw-wien-streifzug-coverEin Blick zurück in die Anfänge der Grünen Bildungswerkstatt (GBW) – am 3. Mai 1987 wurde die politische Bildungseinrichtung der Grünen am Kulturgelände Nonntal in Salzburg mit zehn Ländervereinen gegründet. In der Broschüre „Streifzug durch’s Menü“ wurden die Schwerpunkte und Veranstaltungen der Wiener GBW für das erste Halbjahr 1990 präsentiert – durchaus auch eine allgemein programmatische Ansage. Obfrau war damals Sabine Hammer, Sekretär Ali Gronner.


//zitat// Die Grüne Bildungswerkstatt hat sich als Aufgabe gesetzt, grün-alternative Bildungsarbeit im Sinne der grundlegenden Prinzipien der neuen sozialen Bewegungen im allgemeinen und der Programmatik der Grün-Alternativen Parlamentspartei im besonderen zu formulieren.

Wir sehen es als Notwendigkeit, der ganzen bunten Palette geistiger Strömungen und Denkansätze ein Forum zu bieten. Daher sind in unsrerem pluralistischen Spektrum sowohl der Arbeitskreis Ökologie und Spiritualität als auch der Arbeitskreis Christ/inn/en und Grüne zu finden.

Die historischen Vorgänge, die sich vor unseren Augen in Mittel- und Osteuropa abspielen, können für die Arbeit der Grünen Bildungswerkstatt nicht folgenlos bleiben. Wir veranstalten daher ein großes Symposion, das sich mit der Stellung der zentraleuropäischen Staaten und ihrem Beitrag zum gemeinsamen Haus Europa beschäftigt.

Der 35. Jahrestag des österreichischen Staatsvertrages ist uns Anlaß, eine Errungenschaft der Nachkriegszeit näher zu beleuchten, deren Bedeutung heute zusehends geleugnet wird: die immerwährende Neutralität Österreichs. Für all jene, die wachen Sinns die Prozesse der europäischen Einigung verfolgen wollen, bieten wir eine Veranstaltungsreihe an, die die notwendige Kenntnis der europäischen Institutionen vermitteln soll: Das Gemeinsame Haus Europa. Die jüngsten Entwicklungen – und zwar sowohl die demokratischen Revolutionen in den realsozialistischen Ländern, als auch die Niederungen der österreichischen Innenpolitik (STAPO, Noricum etc.) – haben die Notwendigkeit einer starken Demokratiebewegung auch in unserem Land deutlich gemacht. Der AK Demokratie soll  dazu einen Beitrag leisten. Lesen Sie weiter

54/366: Das Burgenland endet nicht am Sieggrabener Sattel

Setzen Sie den Grünstift an!

Setzen Sie den Grünstift an!

„Das Burgenland endet nicht am Sieggrabener Sattel“ – der politische Einsatz für den Süden des zweitjüngsten Bundeslandes hat bei den Grünen Tradition, die Forderungen auf diesem Flugblatt haben immer noch Gültigkeit.

Das Blatt ist nicht datiert, stammt nach unserer Vermutung aber von der Landtagswahl 1991. Die GAL (Die Grüne Alternative – GRÜNE und Unabhängige) mit dem Spitzenkandidaten Pius Strobl erreichte dabei einen Zuwachs auf 5769 Stimmen und 3,35 Prozent, verfehlte damit aber die zum Einzug nötigen 5 Prozent.

53/366: Männer mit Strickzeug und Matratzen im Wohnzimmer. Erinnerungen an die Alternative Liste

Kurzinformation der Grün-Alternativen (Grünes Archiv Oberösterreich)

Kurzinformation der Grün-Alternativen (Grünes Archiv Oberösterreich)

Die oberösterreichische Grünpolitikerin Doris Eisenriegler nimmt uns mit auf eine gedankliche Reise zum ersten Bundeskongress der Alternativen Liste, der im  Jänner oder Februar 1983 in Linz stattfand. Hier ihre Erinnerungen an dieses Ereignis.


//zitat// Nach der Gründungsversammlung der Alternativen Liste im Herbst 1982 in Graz kam es Anfang 1983 in Linz in der Katholischen Hochschulgemeinde zum ersten Bundeskongress der neu gegründeten Partei. Organisator war hauptsächlich Walter Estl, der in Linz den Alternativladen*) betrieb. Vorbereitet wurde die Kandidatur zu den Nationalratswahlen 1983 bei denen wir schon mit einem von Erich Kitzmüller ausgearbeiteten Wahlprogramm aufwarten konnten.

In meiner Erinnerung festgeschrieben hat sich das Bild, das sich bei diesem Bundeskongress bot und das sich ganz wesentlich von heutigen Events der Grünen unterschied: Wir saßen im Kreis auf Tribünen – wahrscheinlich war das der Hörsaal, ich weiß es nicht mehr. In der Mitte tummelten sich unsere Kleinkinder auf dem Boden, auf den Rängen saßen nicht nur strickende Frauen, sondern auch Männer, die sich sichtlich mit Strickzeug abmühten. Ganz besonders erinnere ich mich an den handarbeitenden Fritz Schiller, der ja heute noch in der AUGE aktiv ist – aber ich glaube das Stricken inzwischen aufgegeben hat.

Es gab noch keine Parteimitglieder, nur AktivistInnen und die Entscheidungsfindung erfolgte basisdemokratisch mit open end der Debatten. Der Disput über die Inhalte erfolgte zwischen zwei Richtungen, der Wiener (links) und der Grazer (wertkonservativ) Gruppe. Da es noch keinerlei Budget für die Sitzungen gab, waren die Gäste aus den Bundesländern privat untergebracht. Beispielsweise war unser Wohnzimmer mit Matratzen für 30 Personen ausgelegt und eines meiner Kinder musste sein Zimmer für ein Liebespaar räumen…

Kurzinformation der Grün-Alternativen (Grünes Archiv Oberösterreich)

Kurzinformation der Grün-Alternativen (Grünes Archiv Oberösterreich)

*) im Alternativladen in der Zollamtstraße – gleich neben dem MÜLI-Laden – konnte man fairen Kaffee, Jutetaschen, Papierwaren aus schön gestaltetem Recyclingpapier, Schallplatten aller alternativen Liedermacher und vieles Andere kaufen. Das Geschäft war das Kommunikationszentrum für die Umwelt- und Sozialbewegungen in Oberösterreich, von hier aus wurde auch ich, und viele andere als AktivistInnen geworben. //zitatende//


Zur Person

Doris Eisenriegler ist seit über dreißig Jahren in der grün-alternativen Bewegung aktiv. Sie ist Gründungsmitglied der Alternativen Liste Österreichs (ALÖ) und war von 1983 bis 1985 ALÖ-Bundessprecherin. Seit 1985 ist sie Gemeinderätin in Wilhering, von 1997 bis 2009 war sie grüne Landtagsabgeordnete in Oberösterreich. Seit 2009 ist Eisenriegler Sprecherin der Grünen SeniorInnen Österreichs und Vertreterin im Österreichischen Seniorenrat.

Gesamte Kurzinformation „Die Grün-Alternativen“ zum Download: 053-gruenalternativen-kurzinformation (PDF, 1,7 MB)

52/366: Let’s have a party

Elisabeth Gehrer auf einem BierdeckelDieser Bierdeckel der Europäischen Grünen, der neben anderen Bierdeckeln im Grünen Archiv verwahrt wird, spielt auf die ÖVP-Politikerin Elisabeth Gehrer an. Gehrer, zu diesem Zeitpunkt Bildungsministerin und Vizeobfrau der Volkspartei, hatte in einem Interview zu einer möglichen „Pensionistensteuer“ den Ball an die junge Generation zurückgespielt: „Was macht das Leben lebenswert? Etwa wenn man von Party zu Party rauscht, ist es das Single-Leben?“ (Quelle: Die Presse, 22. August 2003; Der Standard, 5. Oktober 2006).

Das Plakat für die Europawahl 2004 wurde auch auf Bierdeckel gedruckt und österreichweit in dreihundert Student_innenlokalen aufgelegt. Das Sujet stammt von Gerhard Haderer und wurde von dem Spitzenkandidaten der Grünen, Johannes Voggenhuber, im Mai 2004 vor der Wirtschaftsuniversität Wien präsentiert (Quelle: Der Standard, 29. Mai 2004).

Bei der Wahl legten die Grünen übrigens um 3,60 Prozentpunkte auf 12,89 Prozent zu.

51/366: Auch der Yeti wählt die Grünalternativen

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Titelblatt der Zeitung „Netzwerk“ der Alternativen Liste Wien 5/1986.

Bei der Nationalratswahl 1986 traten – neben der Liste Freda Meissner-Blau – auch „Die Grünalternativen – Demokratische Liste“ (GAL) an. Spitzenkandidatin war Andrea Komlosy. Die Gruppierung erreichte mit 6000 Stimmen kein Mandat.

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